Nordenham - Spätestens wenn die 60 erreicht ist, denken die meisten Menschen an den Ruhestand. Nicht so Lorenz Schwarting. Der Nordenhamer Kaufmann hat seinen Beruf bis ins hohe Alter nicht als Belastung verstanden, sondern als Lebensinhalt. Doch jetzt mit 89 Jahren zieht er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück und gibt sein Geschäft auf. Weil sich kein Nachfolger finden ließ, ist damit die Schließung des traditionsreichen Bettenhauses Schwarting verbunden. Für die Nordenhamer Innenstadt bedeutet das den Verlust eines weiteren inhabergeführten Fachgeschäfts.
Gebürtiger Rodenkircher
Lorenz Schwarting ist ein gebürtiger Rodenkircher; seine Frau Lisa (86) stammt aus Atens. Die beiden sind seit 1957 miteinander verheiratet und haben zwei Kinder: Elisabeth (60) und Stefan (55).
Nach einer Verkäuferlehrer im Textilhaus Ahrens & Thiele hatte Lorenz Schwarting eine Anstellung bei der Firma Kammann in Bremervörde bekommen. 1962 machte er sich in Nordenham selbstständig und eröffnete an der Friedrich-Ebert-Straße 45a seinen eigenen Laden. Das Kerngeschäft war der Handel mit Matratzen, die damals noch dreigeteilt waren. Die lieferte er anfangs mit dem Moped und später mit einem Auto mit Dachgepäckträger aus.
1972 zog das Bettenhaus an die Bahnhofstraße 33 um. Lorenz Schwarting hatte dort ein dreistöckiges Wohn- und Geschäftshaus erworben, in dem sich zuvor die Drogerie Mumm & Kuckei befunden hatte. An dem neuen Standort investierte der Geschäftsinhaber in eine Feder-Reinigungsmaschine und ließ 1984 einen Anbau errichten, so dass sich die Verkaufsfläche auf 350 Quadratmeter vergrößerte. Weitere Umbaumaßnahmen erfolgten in den Jahren 1999/2000. Dazu gehörten eine Sanierung und Wiederherstellung der historischen Gebäudefassade aus dem Jahr 1922.
Ab 1984 arbeitete Sohn Stefan in dem Familienunternehmen mit. Doch aus persönlichen und wirtschaftlichen Gründen gab er diese Tätigkeit im Jahr 2004 auf.
Fast von Anfang an mit dabei und auch heute noch in den Diensten des Bettenhauses Schwarting (72) ist Dietlinde Ahlers. Sie war die erste Auszubildende in der Firmengeschichte und ist dem Unternehmen nun schon seit 56 Jahren treu – seit dem Rentenalter in Teilzeit. „Es ist schon traurig, dass nun Schluss ist“, sagt die Einzelhandelskauffrau. Neben ihr ist noch Waltraud Hagemann in dem Laden tätig. Die beiden Frauen wickeln den Räumungsverkauf ab, der an diesem verkaufsoffenen Ochsenmarkt-Sonntag anläuft.
Haus steht zum Verkauf
Einen genauen Termin für die Schließung des Geschäfts gibt es noch nicht. Aber bis zum Ende Jahres soll der Schritt vollzogen sein. Das Haus will die Familie Schwarting verkaufen. Die ersten Interessenten haben sich bereits gemeldet. Welche Nutzung es dort nach dem Aus des Bettenhauses Schwarting geben wird, ist noch völlig offen.
