NORDENHAM - Der Winter gönnt sich keine Pause. Seit Wochen ist die Wesermarsch von Schnee bedeckt. Kaum ist er so gut wie weggetaut, fällt neuer vom Himmel. Die NWZ hat Nordenhamer gefragt, ob der weiße Winter noch gewollt ist oder inzwischen nur noch stört.
„Der Schnee nervt auf jeden Fall“, sagt Emre Keles. Der 21-jährige Nordenhamer hat vor allem ein Problem mit dem Matsch. „Ich bin nur zu Fuß unterwegs und man kann nicht vernünftig laufen. Ich habe nichts gegen Schnee, aber so lange am Stück, das muss nicht sein.“
Fahrrad wird geschoben
Ähnlich sieht das auch Liane Schulz: „Ich habe genug vom Schnee, und die Glätte stört. Ich habe auch immer Angst um meine Tochter, die oft mit dem Auto nach Oldenburg fährt“, erzählt die Nordenhamerin, die ihr Fahrrad, das sie zum Transport von Einkaufstaschen nutzt, inzwischen nur noch schiebt.
Ganz aufgegeben hat es der 17-jährige Lars Möhlmann: „Normalerweise fahre ich viel mit dem Rad, aber jetzt kommt man damit ja komplett nass an.“ Am Anfang habe er sich noch über den Schnee gefreut, inzwischen sei es aber an der Zeit, dass es taue, auch wenn ihm das Schneeschippen vor der Haustür in Abbehausen nichts ausmacht.
Selbst bei den Kindern stehen Schneemannbauen und Schneeballschlachten nach vielen kalten Wochen nicht mehr allzu hoch im Kurs. Die siebenjährige Celina Cornelsen aus Abbehausen hat genug vom Schnee. „Ich freue mich schon auf den Sommerurlaub in Dänemark“, sagt sie. Außerdem schaukelt sie gern, und das macht bekanntlich im Frühling viel mehr Spaß.
Trotz allem gibt es noch Menschen, die vom Schnee nicht die Nase voll haben. „Ich mag den Schnee“, sagt Marlies Wegener aus Nordenham. Die 68-Jährige geht jeden Tag raus. „Erst gestern war ich an der Weser und habe nach Eisschollen Ausschau gehalten.“ Es stört sie allerdings, dass viele Nebenstraßen nicht gestreut werden. Das sei nicht in Ordnung, denn dort würden viele ältere Leute wohnen.
Vom Schnee noch lange nicht genug hat auch Heino Stolle. Obwohl der 52-Jährige für den Winterdienst arbeitet und jeden Tag Schnee schaufelt, mag er das Wetter. „Von mir aus könnte das noch bis April so weitergehen. Wir haben Winter, und da gehört Schnee dazu. Ich bin heute um 2.30 Uhr aufgestanden und habe mit Schneeschippen angefangen“, erzählt der Schweewarder. Auch die Kälte mache ihm nichts aus.
Als Geschenk der Erde sieht Salar Karani den weißen Winter. „Schnee ist schön und bringt viel Optimismus mit sich“, findet der 45-jährige Nordenhamer. Er habe auch Spaß am Schneeschippen. Trotzdem habe das Wetter auch negative Seiten, zum Beispiel die Unfallgefahr für Autofahrer und Fußgänger.
Sorge um ältere Menschen
Genauso sieht das Meike Musall. Die Nordenhamerin sorgt sich besonders um ältere Leute. „Ich mag es weiß und heimelig, aber viele Menschen haben auf den Straßen ganz schön zu kämpfen.“ Als Angestellte in einem Buchladen bekommt die 29-Jährige auch mit, dass viele Leute gezielt zum Einkaufen kommen, wenn sie Bücher benötigen. „Zum Stöbern kommt bei dem Wetter kaum jemand. Es sagen aber auch viele Kunden, dass man bei dem Wetter nichts anderes tun kann, außer zu Hause zu bleiben und zu lesen“, sagt Meike Musall.
Wie lange uns der Schnee noch erhalten bleibt, weiß niemand genau. Bis zum Frühlingsbeginn dauert es jedoch noch. So kann es durchaus sein, dass die Nordenhamer auch weiterhin fleißig Schnee schippen müssen.
