Nordenham - Der Boden sollte nährstoffarm und trocken sein. Damit fangen die Probleme an. Wer in der Wesermarsch bunte Blumenwiesen anlegen will, muss wissen, dass die Standortbedingungen hier alles andere als ideal sind. „Wir haben nährstoffreiche und nasse Böden“, weiß der Nordenhamer Bauhofleiter Rainer Stoffers. Hinzu komme als weiteres Erschwernis die intensive Landwirtschaft. Diese Einschränkungen gelte es zu berücksichtigen, wenn eine Ausweitung von Blühstreifen gefordert werde. Genau das möchte der Umweltschutzausschuss des Stadtrates erreichen.
In der Sitzung am Mittwochabend nutzte Rainer Stoffers die Gelegenheit, über die bisherigen Erfahrungen mit der Gestaltung von Blumenwiesen zu berichten und über die damit verbundenen Anforderungen zu informieren.
Erde austauschen
Der Bauhofleiter machte deutlich, dass sich die Saatgutmischungen nur unter bestimmten Voraussetzungen wie gewünscht entwickeln können. Dazu gehören als erstes die Bodenbedingungen. Laut Rainer Stoffers ist es notwendig, die Erde in den Beeten bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern auszutauschen. Zudem sei es unerlässlich, sämtliche Wurzelunkräuter zu entfernen. Erst dann dürfe das Saatgut eingebracht werden.
Weiter geht’s mit der Pflege der Blühstreifen. Die frisch angelegten Beete müssen in den ersten vier bis sechs Wochen feucht gehalten werden. Später sind regelmäßige Wildkrautbeseitigungen und ein Mähen der Fläche erforderlich. Den Abtransport des Schnittgutes nimmt der Bauhof im Frühjahr vor, weil das für die Insekten besser ist. „Im Winter sieht das Beet pottenhässlich aus“, sagte Rainer Stoffers, „aber das müssen wir in Kauf nehmen.“
Der Bauhofleiter trug auch eine Kostenberechnung vor. Demnach belaufen sich die Ausgaben für die Herstellung eines Blühstreifens auf 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommen die Aufwendungen für die Pflege, die mit 0,70 bis 1,10 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlagen. Die Lebensdauer einer solchen Blumenwiese beläuft sich nach Rainer Stoffers’ Angaben auf fünf bis zehn Jahre.
Der Bauhofleiter sprach sich dafür aus, Blühstreifen vorzugsweise dort anzulegen, wo der Aufwand möglichst gering ist. Damit meint er vor allem Flächen, die schon als Grünanlagen hergerichtet sind. Seine Bewertung der bereits erfolgten Blühstreifenanpflanzungen fiel durchwachsen aus: „Einige sind gut gelungen, einige weniger.“
Programm fortsetzen
Im Umweltschutzausschuss herrschte Einigkeit darüber, dass die Stadt Nordenham das Blumenwiesen-Programm fortsetzen soll. Die Verwaltung bekam den Auftrag, großzügig weitere Flächen im gesamten Stadtgebiet anzulegen. Die SPD brachte dafür unter anderem den Gipsberg an der Johannastraße in Friedrich-August-Hütte ins Spiel. Die CDU regte an, auch brachliegende Kleingartenflächen für die Herrichtung von ökologisch wertvollen Blumenwiesen zu nutzen.
Auf allgemeine Zustimmung in dem Ratsgremium stieß auch der Antrag der FDP, die Aufforstung voranzutreiben. Die Verwaltung soll klären, welche städtischen Flächen für eine Bepflanzung mit Bäumen in Betracht kommen und dafür einen auf drei Jahre ausgerichteten Stufenplan ausarbeiten. Eine Maßnahme ist bereits in Planung. Nach Angaben der Baudezernentin Ellen Köncke will die Stadt demnächst auf einem Grundstück in der Mühlenblick-Siedlung in Abbehausen eine Obstbaumwiese anlegen.
Darüber hinaus erhielt die Verwaltung den Auftrag, eine Liste mit städtischen Gebäuden zusammenzustellen, deren Dächer sich für die Installation von Grünanlagen eignen.
