NORDENHAM - Am Dienstag ist sie abgelaufen, die dreimonatige Versuchsphase. Seit Anfang Mai dürfen Autos durch den nördlichen Teil der Fußgängerzone fahren. Und das wird vorerst so bleiben, wie Manfred Brunßen, der amtierende Chef der Stadtverwaltung, auf Nachfrage mitteilte. Denn die Ergebnisse der von der Stadt in Auftrag gegebenen Untersuchung liegen noch nicht vor. Wie die NWZ berichtete, haben die beiden Unternehmen CIMA und WES & Partner unter anderem die Kaufleute befragt sowie Fußgänger und parkende Autos gezählt. Manfred Brunßen rechnet damit, dass die Stadtverwaltung in diesem Monat die Ergebnisse bekommt. Voraussichtlich im September werde der Stadtrat entscheiden, wie es in der Fußgängerzone weitergeht – ob mit oder ohne Autos.
Bei einer nicht repräsentativen Umfrage der NWZ unter den betroffenen Kaufleuten am Dienstag war die Mehrheit der Meinung, dass die Öffnung bisher nichts gebracht hat und dass die meisten Kunden sich den ursprünglichen Zustand zurückwünschen. Anke Coldewey, die vor wenigen Monaten noch eine Befürworterin der Freigabe war, ist jetzt „hin- und hergerissen.“ „Ich habe mit mehr davon versprochen“, sagt die Inhaberin des Modegeschäfts Schröder. Auf den Kundenstrom habe sich die Freigabe bisher nicht ausgewirkt.
Auch bei Hilp Hundertmark von H & N hat die Freigabe keine Auswirkungen auf die Anzahl der Kunden gehabt. Er hat – wie viele andere Kaufleute – die Erfahrung gemacht, dass die Kunden die Öffnung der Fußgängerzone überwiegend ablehnen. Und auch Karl-Heinz Gerke, Mitinhaber bei Jacky O, und seine Mitarbeiterin Stefanie Seifert haben festgestellt, dass sich ein Großteil der Kundschaft eine Fußgängerzone ohne Autos wünscht. Karl-Heinz Gerke selbst hat eine eindeutige Meinung zu dem Thema: „Autos haben hier nichts zu suchen“, sagt er. Er kann der Öffnung der Fußgängerzone im nördlichen Bereich nichts Positives abgewinnen.
Ganz anderer Meinung ist Hildegard Schwarting von der gleichnamigen Bäckerei. „Ich finde es gut, dass die Autos hier parken dürfen. Sonst haben wir bald überhaupt keine Kunden mehr“, befürchtet sie. Heide Tecklenburg, Inhaberin des gleichnamigen Porzellangeschäfts, ist der Ansicht, dass die Testphase bis in die Wintermonate verlängert werden sollte. „Nach drei Monaten kann man noch nichts sagen.“
Aufgefallen ist vielen Befragten, dass die Verkehrsfreigabe Probleme mit sich gebracht hat. Dörthe Tönjes, Mitarbeiterin im Modegeschäft Schröder, hat die Erfahrung gemacht, dass viele Autos zu schnell unterwegs sind. Familien mit Kindern würden den Bereich inzwischen meiden. Regina Behrens, Mitarbeiterin im Geschäft Bastelkörbchen, sieht das Problem ebenfalls: „Man kann die Kinder hier nicht einfach laufen lassen.“
„Die Autos fahren zu schnell“, sagt auch Stefanie Seifert. Und Daniela Kiel von Tabakwaren Niemeyer hat beobachtet: „Zehn Stundenkilometer fährt hier keiner.“ Sie habe festgestellt, dass Eltern den Bereich meiden, der von Autos befahren werden darf, wenn sie kleine Kinder dabei haben. Und noch etwas hat die Befragung ergeben: Einige Kaufleute beklagen sich darüber, dass die Stellplätze in der Fußgängerzone gelegentlich von Dauerparkern missbraucht werden.
Der südliche Bereich der Fußgängerzone ist für den Autoverkehr tabu. Rüdiger Pilny, der hier wohnt, ist allerdings aufgefallen, dass auch dieser Teil von Autofahrern genutzt wird, um schnelle Besorgungen zu machen – meistens in den frühen Morgenstunden oder kurz nach Feierabend.
