NORDENHAM - Peter Claßen, Legastheniker, Handwerksmeister, Buchautor, Seminarleiter und Märchenerzähler aus Oldenburg, war jetzt zu Gast in der Buchhandlung „Kiekinnewelt". Dort hielt er einen Vortrag über Fantasie-

reisen und Bilderdenken.

Tanja Ehmen, die Inhaberin der Buchhandlung an der Bahnhofstraße, wartete allerdings vergebens auf den großen Besucheransturm. So erklärte Peter Claßen vor kleiner Publikumskulisse, dass er als Betroffener schon in seiner Kindheit wusste, lernen zu können, aber nicht wie. Was ihm damals fehlte, war jemand, der ihm bewusst gemacht hätte, was er wahrnehmen und damit lernen konnte.

Als „legasthenisch talentierter Mensch“ und ADSler (ADS = Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, ADHS = Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom) habe er sich viele Jahre durch das Schulsystem gequält, sagte der Referent. Dann jedoch habe er mit Erfolg den Beruf des Kfz-Mechanikers erlernt, die Meisterprüfung bestanden und ein eigenes Autohaus geleitet. Bei einem japanischen Fahrzeughersteller war er in leitender Funktion tätig und ist heute unter anderem Schriftsteller und Lebensberater, der über eine spezielle Ausbildung zum Thema Legasthenie verfügt.

„Die Lese- und Rechtschreibschwäche ist wie die Spitze eines Eisbergs, unter dem ungeahnt große und viele Talente verborgen sind", sagte Claßen mit dem Hinweis, dass jeder Mensch legasthenische Talente hat, die es am Vortragsabend zu suchen galt.


Großen Raum nahm das Thema „Bilderdenken" ein, bei dem er erklärte, wie bilderdenkende Menschen die Schrift als Bild in die Fantasie übertragen und von da auch wieder abrufen können. Die Seminarteilnehmer erhielten die Möglichkeit, selbst Wörter in der Fantasie zu sehen. Dabei konnten sie einzelne Buchstaben an ihrer Position einordnen und abrufen. Die Art der Wahrnehmungsfähigkeit von Bilderdenkern konnte so erfahren werden.

„Bilderdenken ist keine Behinderung, sondern ein Talent, mit dessen praktischem Umgang Erfahrungen gesammelt werden müssen“, sagte Claßen. Zu jedem Begriff, mit dem jemand konfrontiert wird, braucht er ein Bild der Bedeutung dieses Begriffs in der Fantasie. Wird er jedoch mit einem abstrakten, also bildlosen Wort konfrontiert, sucht seine Wahrnehmung im Unterbewusstsein nach einem entsprechenden Bild. Der Begriff ist erklärt, wenn ein Bild dazu angelegt ist.

Ziel des kurzweiligen und aufschlussreichen Vortrags war, zu erfahren, wie unser Gehirn wahrnimmt, damit das Lernen für Betroffene wieder Spaß macht und Erfahrungs-Lern-Lücken leichter geschlossen werden können. Näheres unter www.peter-classen-fantasiereisen.de