NORDENHAM - In der Cafeteria der Wesermarsch-Klinik wird O-Saft mit Sekt gereicht. Dazu gibt es auch allen Grund: Tanja Schulz, Anne Pinkepank und Tanja Warring haben an der Krankenpflegeschule ihr Examen bestanden. Und die Klinik übernimmt alle drei.
Die 24-jährige Anne Pinkepank startet jetzt in der Inneren Medizin, die 22-jährige Tanja Schulz in der Geriatrie und die gleichaltrige Tanja Warring in der Unfallchirurgie. Die Nordenhamerinnen haben drei anspruchsvolle Lehrjahre und ein siebenteiliges Staatsexamen hinter sich.
Doch bevor die Ausbildung begann, mussten sie sich unter rund 120 Bewerbern aus ganz Deutschland durchsetzen, die sich bei der Klinik beworben hatten. Gefordert ist zunächst ein guter Realschul-Abschluss. Die Noten für Deutsch, Mathematik und Biologie dürfen im Durchschnitt nicht schlechter als 3,5 sein, sagt Joachim Paul, der Leiter der Krankenpflegeschule am Klinikum Delmenhorst. Bei Vorstellungsgesprächen und einem Aufnahmetest, der an ein Assessment-Center erinnert, werden weitere Bewerber ausgesiebt.
Nicht selten wird aber auch die Krankenpflegeschule von den Bewerbern ausgesiebt: In Oldenburg und Bremen gibt es ähnliche Einrichtungen.
Nach dem Ende der Auslese stellt die Wesermarsch-Klinik sechs Auszubildende ein – Jahr für Jahr. Sie sollen nach Möglichkeit übernommen werden, sagt die Pflegedienstleiterin Anke Bessel-Dietrich.
Von den sechs jungen Frauen, die die Klinik 2008 eingestellt hat, erreichten vier das Examen, drei haben es bestanden, eine Kandidatin muss kurz vor Weihnachten eine mündliche Prüfung wiederholen.
Das theoretische Fachwissen haben die Pflegeschülerinnen in der Krankenpflegeschule gelernt, die vom Klinikum und vom St.-Josef-Stift Delmenhorst, vom Johanneum in Wildeshausen und von der Wesermarsch-Klinik betrieben wird. Praktische Erfahrungen sammelten sie auf allen Stationen der vier beteiligten Krankenhäuser.
Besonders spannend fanden Anne Pinkepank und Tanja Schulz die Außeneinsätze. So hat Anne Pinkepank im Stollhammer Pflegeheim Haus Christa die Psychiatrie kennengelernt und bei einer Krankenkasse gearbeitet. Dass sie jetzt regelmäßig Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdienste erledigen müssen, stört die beiden jungen Frauen nicht: „Dafür haben wir dann in der Woche frei“, sagt Anne Pinkepank.
Die Pflegedienstleiterin Anke Bessel-Dietrich streicht die Vorteile der pflegenden Berufe heraus: „Wer das Examen bestanden hat, kann sich seinen Arbeitsplatz aussuchen.“ Nicht nur im Krankenhaus, auch in der Alten- und in der häuslichen Pflege werden Kräfte gebraucht.
Der Haken ist die angesichts der hohen Anforderungen geringe Bezahlung: Im ersten Jahr gibt es netto 1200 bis 1300 Euro im Monat, mehr als 1800 sind auch bei erfahrenen Kräften nicht drin.
