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Wesermarsch-Klinik Petra Sichau sagt Keimen den Kampf an

NORDENHAM - Die Wesermarsch-Klinik unternimmt deutlich größere Anstrengungen zur Verbesserung der Hygiene. Dafür steht vor allem Petra Sichau. Die 49-Jährige ist die erste eigene Fachkraft für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention der Klinik. Die Tinte unter ihrem Abschlusszeugnis ist frisch.

Zu viele Antibiotika

Vor allem der jahrzehntelange übertriebene Einsatz von Antibiotika habe die Patienten empfänglich für sogenannte Krankenhauskeime, aber auch für andere Infektionen wie etwa Ehec gemacht, sagt Anke Bessel-Dietrich, die Pflegedienstleiterin der Wesermarsch-Klinik.

Auch deshalb habe die Rhön-Klinikum AG gleich bei der Übernahme des Hauses die Anforderungen an die Hygiene deutlich verschärft und sofort veranlasst, dass eine Hygienefachkraft ausgebildet wird. Auf dem Markt sind diese Fachkräfte kaum zu bekommen, weil die Zahl der Ausbildungsplätze hinter dem Bedarf zurückbleibt.

Bei der internen Ausschreibung fiel die Wahl auf Petra Sichau, die seit Beginn ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin 1979 zum Team der Klinik gehört. Der 23-wöchige theoretische Teil der insgesamt zweijährigen Ausbildung fand in der Gesundheitsakademie Berlin statt, die von der Universitätsklinik Charité betrieben wird. Dazu kamen Praktika, etwa in der Mikrobiologie des Klinikums Oldenburg, im Gesundheitsamt Wesermarsch sowie in der Wesermarsch-Klinik auf der Intensivstation, im Operationssaal und in der Endoskopie.

Schon während ihrer Fortbildung wurde Petra Sichau in ihrem neuen Beruf tätig, schulte ihre Kollegen und bereitete sie auf den Umgang mit dem Ehec-Virus vor, von dessen Nachwirkungen die Klinik übrigens immer noch betroffen ist. Seit wenigen Tagen arbeitet Petra Sichau nun auch offiziell in ihrem neuen Beruf – bis Jahresende zunächst nur halbtags. Dann wird entschieden, ob sie mehr Stunden bekommt. Zuvor war nur einmal im Monat die Hygienebeauftragte des Städtischen Klinikums Oldenburg gekommen; das war dem Rhön-Konzern deutlich zu wenig.


Die Arbeit von Petra Sichau ist außerordentlich vielfältig. Ihr Arbeitstag beginnt morgens im Büro damit, dass sie sich über die Patienten informiert, die neu aufgenommen worden sind. Wer sich schon einmal den Krankenhaus-Keim MRSA eingefangen hat, bekommt eine besondere Kennzeichnung, bis er bei drei aufeinanderfolgenden Klinik-Aufenthalten negativ getestet worden ist. Dabei sieht Petra Sichau auch nach Ehec- und anderen meldepflichtigen Erregern.

Ist bei einem Patienten schon einmal MRSA aufgetreten, veranlasst Petra Sichau einen Nasen-Rachen-Abstrich, der in einem Labor in Bremerhaven auf das Bakterium untersucht wird. Wird bei der Untersuchung – sie dauert bis zu fünf Tage – erneut MRSA festgestellt, kommt der Patient in ein Isolierzimmer; auch seine Zimmernachbarn werden auf MRSA getestet.

Im vergangenen Jahr sind in der Wesermarsch-Klinik 60 MRSA-Fälle aufgetreten, sagt Anke Bessel-Dietrich. „Das sind aber nicht 60 Patienten, weil einige Betroffene mehrfach bei uns waren.“ 95 Prozent der Fälle seien nicht in der Wesermarsch-Klinik entstanden, sondern die Patienten hätten den Erreger aus anderen Krankenhäusern oder ihrem Altenheim mitgebracht. Wenn keine Wunden betroffen sind, kann der Patient in etwa fünf Tagen im Isolierzimmer saniert werden. Sind Wunden befallen, muss der Patient fast immer den Operationssaal.

Zudem schult Petra Sichau das Pflegepersonal sowohl an seinen Arbeitsplätzen als auch in speziellen Unterrichtseinheiten, deren Besuch aber freiwillig ist. Damit Petra Sichau immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung, aber auch der Gesetze ist, besucht sie viermal im Jahr die Zusammenkünfte der Hygienefachkräfte aller Rhön-Kliniken in Deutschland. Sie finden meistens in Wiesbaden statt, dem Sitz des Hygiene-Beauftragten des Rhön-Konzerns, Professor Heinrich Geiss. Die Hygienefachkräfte der Rhön-Kliniken in Niedersachsen treffen sich dreimal im Jahr.

Auch den Neubau im Blick

Ein wichtiges Thema ist für Petra Sichau auch der Neubau der Klinik. Sie muss darauf achten, dass Trinkwasserleitungen, Raumlufttechnik, Endoskopieräume, Operationssäle und die Küche so keimfrei wie irgend möglich gehalten werden können. Ob Altbau oder Neubau: „Meine Zuständigkeit reicht vom Keller bis zum Dach“, sagt Petra Sichau.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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