NORDENHAM - Die Wohngemeinschaft – kurz WG – war lange Zeit ausschließlich ein Modell für junge Leute, vor allem für Studenten und Auszubildende, die sich die Miete teilen, um kostengünstig wohnen zu können. Inzwischen ist die WG auch für ältere Menschen eine Alternative zum Seniorenheim oder dem Leben in den eigenen vier Wänden. In vielen Großstädten gehören Senioren-WGs zum Alltag. Und nun soll auch in Nordenham die erste Senioren-WG aufmachen.
Im Alter so normal wie möglich weiterleben: Für Marion Petershagen ist die Senioren-WG ein Wohnmodell, das genau diesem Bedürfnis gerecht wird. Die 52-Jährige hat in der Schillerstraße 34 ein Haus gekauft. Gemeinsam mit ihrem Mann und vielen Handwerksfirmen bringt es die Nordenhamerin auf Vordermann. Und stattet es behindertengerecht aus. Dazu gehören eine Rampe vor der Haustür, ein Treppenlifter, eine ebenerdige Dusche, eine rollstuhlgerechte Kücheneinrichtung und vieles mehr. Für Pfingstmontag, 14 bis 18 Uhr, lädt sie zum Tag der offenen Tür ein. Dann können sich alle Interessierten in den Räumen umschauen.
Rund um die Uhr
Seit Anfang Februar ist das Haus an der Schillerstraße eine Baustelle. Marion Petershagen und ihr Mann schuften fast rund um die Uhr, damit alles rechtzeitig fertig wird. Der 50-Jährige pflastert zurzeit die Rampe, seine Frau bringt die Tapeten an die Wände. Es gibt noch einiges zu tun. Aber die beiden sind zuversichtlich, dass alle Räume zu Pfingsten in neuem Glanz erstrahlen.
Marion Petershagen arbeitet als Betreuerin im Auftrag des Amtsgerichts. Sie unterstützt Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung leben und hier und da Hilfe benötigen. „Diese Menschen haben noch sehr viele Kompetenzen“, sagt die Nordenhamerin. Und diese Erkenntnis brachte sie auf die Idee, eine Senioren-WG anzubieten, in der die Bewohner ihre Fähigkeiten – ob Kochen, Einkaufen oder Putzen – einbringen können.
Vier Senioren können in das Haus einziehen. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, es gibt darüber hinaus zwei Gemeinschaftsräume, eine Küche, ein Badezimmer und zwei Toiletten.
Wenn das eigenständige Wohnen unmöglich wird, weil Vereinsamung droht, die Haushaltsführung zum Problem wird, die Mobilität nachlässt und der Pflegeaufwand zunimmt, bleibe oft nur der Umzug in ein Pflegeheim, weiß Marion Petershagen. Die WG bietet aus ihrer Sicht eine interessante Alternative. Im Mittelpunkt steht dabei, den Bewohnern bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben in einer Gemeinschaft zu ermöglichen. Voraussetzung ist nach den Worten der Nordenhamerin, die die Zimmer vermieten wird, aber auch die Bereitschaft, sich auf diese Wohnform einzulassen.
WG wird gefördert
Wie die 52-Jährige weiter mitteilt, will das Bundesgesundheitsministerium Senioren-WGs fördern: Durch die Reform der Pflegeversicherung sollen Bewohner von Senioren-WGs zusätzlich und unabhängig von der Pflegestufe monatlich 200 Euro für den Einsatz von Pflege- oder Hilfskräften erhalten.
