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Zwangsversteigerung Ein Sommermärchen für die Villa Eilers?

NORDENHAM - Es klingt fast wie ein Märchen, aber es ist wahr: Ein Oldenburger und ein Bad Zwischenahner wollen die Villa Eilers kaufen. 60 000 Euro wollen die beiden gemeinsam für den einst hochherrschaftlichen Wohnsitz ausgeben, der mittlerweile arg heruntergekommen ist. Doch noch ist ein glückliches Ende nicht in Sicht, denn die Gläubigerbank will mehr als doppelt so viel dafür haben.

Und so ist auch der erneute Zwangsversteigerungstermin am Mittwochvormittag im Amtsgericht Nordenham ohne greifbares Ergebnis verstrichen. Doch eben nicht ohne Hoffnung.

Forderungen gekauft

Und diese ruht auf den Schultern des Registra Securita Trust in Hamburg. Das ist eine Tochterfirma der Citibank, deren Geschäftsmodell darin besteht, Forderungen von Gläubigern im Paket aufzukaufen und dann einzutreiben – etwa durch Antrag auf Zwangsversteigerung. Dabei will der Trust bei der Zwangsversteigerung mehr Geld einnehmen, als er für den Kauf der Forderungen ausgegeben hat.

Wie viel der Trust für die Forderungen ausgegeben hat, die im Grundbuch der seit Jahren leer stehenden Villa vermerkt sind, ist selbstverständlich ein Geschäftsgeheimnis. Aber es fällt auf, dass das Unternehmen sich mit einem Erlös von weniger als 140 000 Euro aus der Zwangsversteigerung nicht zufrieden geben will.

Schon 2007 hatte der Trust beim zweiten Zwangsversteigerungstermin ein Gebot von 130 000 Euro als zu niedrig abgelehnt. Ein höheres gab‘s aber nicht, und deshalb sitzt der Trust immer noch auf seinen Forderungen.


Dabei ist der Verkehrswert in einem neuen Gutachten vom Januar auf 119 000 Euro herabgestuft worden. 2006 lag er noch bei 215 000 Euro. Inzwischen haben aber Unbekannte im Dachgeschoss des Hauses Feuer gelegt, ist es durch das Brandloch geregnet, sind die Decken durchnässt, steht im Keller Wasser und haben Eindringlinge das gesamte Interieur des Hauses von der Küche bis zur Toilette mutwillig zerstört.

Offiziell sind im Grundbuch der Villa übrigens Schulden in der astronomischen Höhe von 2,1 Millionen Euro vermerkt – etwa von der Deutschen Bank oder der Kreissparkasse Segeberg. Doch die treten in diesem Verfahren nicht mehr auf, weil sie ihre Forderungen ja an den Trust verkauft haben.

Was die beiden Interessenten mit der Immobilie vorhaben, steht ihren Worten zufolge noch nicht fest. Doch sie betonten im Gespräch mit der

NWZ

 , dass sie das Objekt als Ensemble attraktiv finden. Mit anderen Worten: Sie wollen den leer stehenden Supermarkt neu nutzen. Aus dieser Nutzung soll ein Teil des für die Renovierung der Villa erforderlichen Geldes verdient werden. Die beiden Interessenten rechnen für die bauliche Erneuerung mit Kosten von rund 500 000 Euro.

Bald zweiter Termin

Weil die beiden Bieter die einzigen Interessenten sind, waren alle am Verfahren Beteiligten äußerst bestrebt, dass ihnen kein noch so kleiner Kieselstein mehr in den Weg gelegt wird. Die Rechtspflegerin, die das Verfahren leitet, will schnellstmöglich einen zweiten Termin anberaumen – möglichst schon am 29. September. Und der Rechtsanwalt aus Norden in Ostfriesland, der den Trust vertritt, will versuchen, seinen Auftraggeber zu einer niedrigeren Forderung zu bewegen. Im Gespräch ist auch ein Direktverkauf ohne einen zweiten Zwangsversteigerungs-Termin.

Auch der Makler Jörn Wettermann, der im November die Zwangsverwaltung übernommen hat, setzt auf einen schnellen Abschluss. Denn ein weiterer Frostwinter ist das letzte, was das Haus mit dem Wasser im Keller gebrauche kann.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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