NORDKREIS - Schon bei der Vorbereitung unserer Tour durch den Nordkreis Cloppenburg zeigt der CDU-Bundestagsabgeordnete und Direktkandidat im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta, Franz-Josef Holzenkamp (49), Interesse an der Gemeinde Bösel. Dort werde das Ehrenamt besonders gepflegt, verweist der in Garthe bei Emstek lebende Politiker auf die Euro-Musiktage. Start: Wir besteigen den Dienst-Lupo der Friesoyther NWZ -Redaktion. Unser erstes Ziel ist Bösel.
Frage: Die Euro-Musiktage sind eine sehr professionell aufgezogene Musikveranstaltung. Ist so etwas noch ehrenamtlich zu organisieren?
Holzenkamp: Das Engagement und der Zusammenhalt der Helfer in Bösel steht beispielhaft für viele andere Vereine im Oldenburger Münsterland, in denen eine engagierte Arbeit geleistet wird. Am Ende führt das zu einem aktiven Dorfleben, in das meistens sehr viele Vereine eingebunden sind. Sonst könnte das gesellschaftliche Leben auf dem Lande – und auch in Bösel – nicht funktionieren.
Wir verlassen den Ort und fahren über Glaßdorf und Thüle zur Thülsfelder Talsperre. Da gibt es mit der fehlgeschlagenen Sanierung derzeit nur ein Thema. Franz-Josef Holzenkamp glaubt, dass die Instandsetzung bald beendet sein wird: „Hier muss schnell Normalität einkehren, damit der Tourismus nicht leidet. Alles andere geht auf Kosten dieser schönen Region.“
Frage: Wie passen in Südoldenburg Tourismus und intensive Landwirtschaft zusammen?
Holzenkamp: Im Oldenburger Münsterland ist es gelungen, zusammen mit der Landwirtschaft und dem Mittelstand eine Lebensqualität zu erzeugen, die schließlich zu zweistelligen Zuwachsraten in unseren Naherholungsgebieten geführt hat. Da wird eine bestimmte ländliche Lebensart vermittelt. Fehn- und Boxenstoproute sind dafür gelungene Beispiele. Übrigens werden im Oldenburger Münsterland jährlich etwa 600 000 Übernachtungen registriert.
Unsere nächste Station ist der Bauernhof der Familie Hans Baumann in der Gemeinde Barßel. Hier stehen Bullen, Kälber und 85 Milchkühe. Der Landwirt klagt über den niedrigen Milchpreis. Derzeit bekommt er von der Molkerei 21,5 Cent pro Liter.
Frage: Sehen Sie noch eine Zukunft für die Milcherzeuger?
Holzenkamp: Sicher. Allerdings haben wir aktuell ein riesiges Absatzproblem. Es tut uns Landwirten weh, dass der Export wegen der derzeitigen Wirtschaftskrise nicht mehr richtig funktioniert und ein Teil der osteuropäischen Märkte weggebrochen ist. Wichtig ist jetzt, dass alle marktentlastenden Instrumente genutzt werden.
Frage: Und dann wird der Markt auch noch mit billigem Analogkäse überschwemmt?
Holzenkamp: Naja, entscheidend ist, das die Verbraucher den Unterschied zwischen echten Milchprodukten und Ersatzprodukten eindeutig erkennen können.
Frage: Auch sonst läuft es in der Landwirtschaftspolitik nicht richtig rund. Die Biogasbauern machen den Ackerbauern Konkurrenz?
Holzenkamp: Da gibt es eine Wettbewerbsverzerrung. Die staatliche Unterstützung für Biogasanlagen führt zu Konkurrenz mit den Futterbaubetrieben. Ich sehe da politischen Handlungsbedarf. Eine Entzerrung des Flächendrucks erreichen wir nur, wenn die Verwendung von Reststoffen in Biogasanlagen bei der Förderung nicht schlechter gestellt wird als die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen.
Wir fahren über Harkebrügge – dort werden uns im Gasthof Block gegrillte Rindersteaks zum Mittagessen serviert – nach Barßel, passieren den Hafen. Holzenkamp spricht von „gelebter Seefahrertradition“. Der Hafen und seine Nebenanlagen passten gut in das Tourismukonzept der Region, sagt er. Aktuelles Thema in Barßel ist die Schulpolitik. Bei einer Elternbefragung sprach sich die Mehrheit für die Beibehaltung des gegliederten Schulsystems aus.
Frage: Wie stehen Sie zur Einrichtung von Gesamtschulen?
Holzenkamp: Ich bin ein Verfechter des gegliederten Schulsystems. Außerdem erwarten die Eltern ein wohnortnahes und hochqualitatives Bildungsangebot für ihre Kinder. Jede Kommune muss ein entsprechendes Angebot vorhalten. Das Ergebnis der Elternbefragung zeigt, dass der Landkreis Cloppenburg in den letzten Jahrzehnten mit seiner Schulpolitik den richtigen Weg eingeschlagen hat. Fast 80 Prozent der Befragten sprechen sich für ein gegliedertes Schulsystem aus. Auch in der Gemeinde Barßel war das Ergebnis sehr eindeutig.
Frage: Und wie steht es nach Ihrer Meinung um die Zukunft der Hauptschule?
Holzenkamp: Vor Ort müssen Haupt- und Realschulen zu flexiblen Lösungen der Zusammenarbeit finden. Dann wird auch eine noch bessere Förderung der Schülerinnen und Schüler möglich sein.
Wir verlassen Barßel und gelangen über Elisabethfehn nach Reekenfeld und Kamperfehn. Auf dem Bauernhof seiner Eltern in Kamperfehn ist Franz-Josef Holzenkamp aufgewachsen. Bei der benachbarten Tankstelle Collmann hat er als Jugendlicher gejobbt. In Kamperfehn hat er ab Beginn der 1970er Jahre Fußball gespielt. Danach wechselte Holzenkamp nach Sedelsberg, wo er mit dem heutigen Barßeler Bürgermeister Bernd Schulte im „offensiven Mittelfeld“ kickte und mit dem Team in die Bezirksklasse aufstieg. Seine Fußballerkarriere beendete der auf dem Spielfeld als „Dribbler“ bekannte Holzenkamp später in Emstek. Wir durchqueren die Gemeinde Saterland und erreichen den C-Port zwischen Sedelsberg und Friesoythe.
Frage: Der kommunale Hafen soll eine Bahnanbindung erhalten, möglicherweise mitten durch die Stadt Friesoythe. Macht das Sinn?
Holzenkamp: Zunächst muss man festhalten, das der interkommunale Gedanke beim Bau des C-Ports eine gute Idee war. Es spart Flächenverbrauch, wenn sich Gemeinden bei Industriegebieten zusammenschließen. Außerdem entstehen Arbeitsplätze. Man muss bedenken, dass der Nordkreis in den 1980er Jahren unter 40 Prozent Arbeitslosigkeit litt und die Quote jetzt unter dem schon niedrigen Landesdurchschnitt von Niedersachsen liegt. Was den Bahnanschluss betrifft ist jetzt zunächst das in Arbeit befindliche Konzept abzuwarten.
Frage: Und der Streckenverlauf?
Holzenkamp: Die Trasse muss so gewählt werden, dass sie die Lebensqualität der an ihr lebenden Menschen nicht verschlechtert. Ich will mich ohne ein vorliegendes Konzept nicht festlegen, kann mir allerdings eine innerstädtische Lösung in Friesoythe nur schwer vorstellen.
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