NORDKREIS - „Kurzarbeit ist ein Mittel, um Arbeitsplätze zu sichern“, betont Werner Sieverding, Pressesprecher der Arbeitsagentur Vechta. Deshalb sei man bei der Arbeitsagentur sehr froh, dass die Firmen die Kurzarbeit in Anspruch nehmen. „Im Durchschnitt sind im Raum Friesoythe, Vechta und Cloppenburg derzeit 4000 Menschen in Kurzarbeit. Wobei Friesoythe und der Nordkreis weniger stark betroffen sind als der Raum Vechta“, berichtet Sieverding. Die meisten Betriebe würden die Kurzarbeit mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen, so Sieverding. Sie haben aber die Möglichkeit, dieses Instrument bis zu 24 Monate lang zu nutzen. „Man muss abwarten, wie dieses Angebot angenommen wird.“
Regelung schafft Spielraum
Bei der Leoni Special Cables GmbH Friesoythe sieht man die Verlängerung der Bezugsfrist positiv. „Für die Betriebe ist diese Regelung vorteilhaft, da sie mehr Spielraum schafft“, sagt Bernd Buhmann, Leiter der Leoni-Unternehmenskommunikation. Dem Betrieb sei es wichtig, trotz der derzeit schlechten Auftragslage seine Mitarbeiter zu halten. „Wir wissen, dass wir die Leute wieder brauchen, wenn die Konjunktur anzieht“, betont Buhmann. Am Standort in Friesoythe werden Spezialkabel und -leitungen hergestellt.
Leoni hatte bereits im März Kurzarbeit eingeführt (NWZ berichtete). Außerdem waren 59 Arbeitsplätze in dem Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern weggefallen. Derzeit befinden sich 170 Mitarbeiter im Werk in Friesoythe in Kurzarbeit (Stand Juli). „Die Kurzarbeit wird fortgesetzt“, erklärt Buhmann. Sie war zunächst bis Ende August beantragt worden und wurde nun bis Ende des Jahres verlängert.
Wie stark die Firmen von der Wirtschaftskrise betroffen sind, sei von Branche zu Branche unterschiedlich, betont Sieverding. Am stärksten betroffen seien die Automobilbranche und ihre Zulieferer, aber auch der Transport und Logistikbereich. Positiv für die Region sei, dass der Exportanteil nur bei 22 Prozent liege. Die mittelständischen Betriebe und Handwerker seien von der Krise nicht so stark betroffen.
Mittlerweile seien einige Betriebe von der Kurzarbeit wieder zur Vollarbeit übergegangen, teilt Sieverding mit. Dennoch kämen immer noch weitere Firmen dazu, die Kurzarbeit anmelden. Die Zahlen seien aber weitaus geringer als noch im Frühjahr. Im Juli waren 474 Arbeitnehmer neu gemeldet worden, im März waren es 2500. „Möglicherweise ist der Höhepunkt der Kurzarbeit bereits überschritten“, freut sich Sieverding.
Positives vermeldet auch das Kabelwerk Waskönig+Walter: „Wir sind in der glücklichen Lage, die Kurzarbeit zurzeit noch nicht nutzen zu müssen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Michael Waskönig. Das Kabelwerk zehre von den Auftragsvorlagen. Man hoffe, dass rechtzeitig neue Aufträge nachkommen. Grundsätzlich sei das Instrument der Kurzarbeit aber sehr begrüßenswert, da man dadurch seine Facharbeiter halten könne.
Normale Auftragslage
Auch bei der Firma fm-Büromöbel aus Bösel ist man von der konjunkturellen Krise weniger betroffen. „Wir sind mit der Auftragslage zufrieden“, sagt Personalleiterin Ingrid Budde. Ähnlich ist die Situation beim Tierarzneimittelhersteller Essex aus Friesoythe. „Wir haben ein relativ normales Produktionsaufkommen und mussten daher keine Kurzarbeit anmelden“, sagt Werksleiter Dr. Gisbert Voigt.
