Wildeshausen - Seit es das Jobcenter beim Landkreis Oldenburg gibt, hat die Zahl der Bedrohungen gegenüber Mitarbeitern zugenommen. Seit 2006 gibt es bei jedem Kreisbediensteten einen Notfallknopf auf dem Schreibtisch. Am Freitag hat der Landkreis eine Grundsatzerklärung gegen Gewalt am Arbeitsplatz auf den Weg gebracht und ist damit nach eigenen Angaben Vorreiter im Nordwesten.

„Nach den zahlreichen Vorkommnissen in Behörden in den vergangenen Jahren sind auch wir sensibler geworden“, sagte Landrat Frank Eger und erinnerte an den Tod seines Kollegen in Hameln. Nachdem der Landkreis Oldenburg im Vorjahr dem Rockerclub Red Devils das Clubhaus in Hatten dicht gemacht hatte, habe es von der Polizei Warnhinweise auf eventuelle Übergriffe auf die Kreisbehörde gegeben. Personalratsvorsitzender Franz Jokmin berichtete über einen Vorfall im Jobcenter Sandkrug im vergangenen Jahr, als nach einer Bedrohung gegenüber einem Mitarbeiter die Behörde erst einmal für einen Nachmittag geschossen wurde. „Wir wollen die Kreisbehörde nicht zu einem Fort Knox ausbauen“, so Jokim, „zumal es sowieso keine 100-prozentige Sicherheit gibt“. Der Landkreis wolle ein transparenter Dienstleister bleiben, gleichzeitig aber seine 640 Mitarbeiter besser schützen, betonten Eger und Jokmin. Der Landrat bezifferte die Bedrohungen, die zumeist verbaler Art seien, auf eine zweistellige Zahl pro Jahr.

Die Grundsatzerklärung, die in allen öffentlichen Gebäuden aufgehängt werde, sei der erste Schritt eines längeren Prozesses. Dazu gehörten technische Verbesserungen im Gebäude wie die Umstellung von Generalschlüsseln hin zu einem Chipsystem sowie die Schulung von Mitarbeiter.

In den Fortbildungen geht es darum, wie man ein Gespräch mit einem schwierigen Kunden führt, um Deeskalationstraining, Täterverhalten oder auch interkulturelle Öffnung. „Es ist ein Unterschied, ob sie einen Asiaten anlächeln oder einen Osteuropäer“, meinte Eger und ergänzte, dass Gespräche mit ausländischen Bürger immer mal wieder zu Missverständnissen führe. „Wir üben den Spagat zwischen den Interessen der Dienststelle und den Mitarbeitern“, so Jokmin.

Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg