Grafschaft - In Berlin, Bonn, Hamburg und anderen Metropolen ist es bereits üblich: In immer mehr Bioläden kann der Kunde Lebensmittel unverpackt einkaufen. Auch im Bio- und Hofladen „Sonnenblume“ im Fairhandelshaus Mercado Mundial in Grafschaft an der Ecke Accumer Straße/Birkenstraße hat der Trend bereits Einzug gehalten: Jutta und Reinhard Hartwig haben dort eine Abteilung „Unverpackt“ eingerichtet für Nudeln, Getreide, Müsli, Nüsse, Hülsenfrüchte, Trockenobst, Gewürze und noch mehr.

Die neue Abteilung ergänzt den bisherigen offenen Verkauf von Obst und Gemüse. „Grundidee ist, beim Einkauf Müll zu reduzieren und dabei vor allem auf Plastikverpackungen zu verzichten“, erklärt Reinhard Hartwig. Die Lebensmittel werden deshalb lose in durchsichtigen Spendern oder Behältern angeboten und können je nach Bedarf in mitgebrachte Behälter oder bereit liegende Papiertüten abgefüllt werden.

„Dadurch leisten wir auch einen Beitrag gegen Verschwendung von Lebensmitteln“, sagt Jutta Hartwig. Denn Kunden müssen nun nicht mehr die vorgegebenen Packungsgrößen kaufen, sondern können ihre Mengen je nach Bedarf selbst festlegen.

Das sei zum Beispiel bei Gewürzen sehr sinnvoll: Statt fertig abgepackter Mengen, die jahrelang im Gewürzregal stehen und ihr Aroma verlieren, weil man Kardamom, Kreuzkümmel oder Curcuma eben nicht ständig verwendet, können im Bioladen „Sonnenblume“ Gebrauchsmengen selbst abgefüllt werden, erklärt Jutta Hartwig.

Was allerdings nicht geht: einmal abgefüllte Nahrungsmittel zurückschütten. Natürlich geht es dabei um die Hygiene: „Die Vorratsbehälter sind so gebaut, dass keiner mit der Ware darin in Berührung kommt“, betont sie.


Neben der Abteilung „Unverpackt“ haben die Hartwigs inzwischen auch einen Hofladen: Eier von eigenen Hühnern hat das Bio- und Fair-Kaufhaus im Verkauf und Gemüse aus eigenem Anbau. Mit einem hinzugekauften Grundstück ist das Fairhandelshaus-Anwesen nun fast 6000 Quadratmeter groß und bietet einen Gemüse-Acker mit Gewächshäusern und Hochbeeten sowie Geflügelhaltung. Dort wachsen nun Radieschen, Tomaten, Gurken, Salat, Möhren, Kohl, Rote Rüben und vieles mehr, alles ebenfalls im Laden zu kaufen.

„Wir fokussieren uns künftig wieder mehr auf den Kern unserer Arbeit“, erklärt Reinhard Hartwig: Gegründet hatten die Hartwigs ihr Projekt in den Räumen des ehemaligen Gasthauses „Kaffeehaus Barkel“ vor mehr als 20 Jahren als Bildungs-Einrichtung zur Förderung des fairen Handels und der Ökologie mit Fair-Café, Welt-Laden – nach eigenen Angaben inzwischen der größte in Deutschland – sowie traditioneller Kaffee-Rösterei.