• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Warum die Deutsche Bahn rollen lässt

22.11.2019

Nürnberg Die Deutsche Bahn hat im Bezug auf Klimafreundlichkeit einen vergleichsweise guten Ruf: „Bahnfahren ist Klimaschutz“, sagt auch Konzernchef Richard Lutz selbstbewusst. Doch auch die Deutsche Bahn hat Luft nach oben. Sie will noch mehr als bisher Strom – und damit auch Geld – sparen. Intelligentes Fahren soll dabei helfen.

Marcel Tschirschwitz wirkt entspannt aber konzentriert im Führerstand des ICE. Nach dem Start in Nürnberg hat der 33 Jahre alte Lokführer gerade den Anstieg auf die Höhen des Thüringer Waldes gemeistert. Mit knapp Tempo 300 rast er auf Erfurt zu. 670 Tonnen Leergewicht im Rücken, mehr als 500 Passagiere im Gepäck. „Jetzt können wir das Gas zurücknehmen“, sagt er, als der Zug den Kamm des Mittelgebirges überschritten hat. Tschirschwitz lässt rollen. Praktisch nur mit Motorbremse erreicht der ICE pünktlich den Erfurter Hauptbahnhof.

Als „energiesparendes Fahren“ bezeichnet die Deutsche Bahn diese Fahrweise, die die Topographie berücksichtigt. Seit vielen Jahren wird dies praktiziert, alle knapp 19 000 Lokführer durchlaufen regelmäßig Schulungen. Jetzt wird noch einmal nachgelegt. Mit der „grünen Welle“, einer neuen Software, die darauf ausgelegt ist, dass die Züge möglichst noch stromsparender unterwegs sind. „Pünktlichkeit geht weiterhin vor, aber mehr Energiesparen ist weiterhin ein großes Ziel“, sagt Tschirschwitz, der selbst Lokführer trainiert.

Hintergrund: Der Lokführer kann nur einen Teil der Faktoren selbst beurteilen. Den ICE ein kilometerlanges Gefälle hinunterrollen zu lassen, ohne zusätzlich „Gas“ zu geben ist vergleichsweise banal. Auch die Rückgewinnung von Bremsenergie wird bei der Bahn schon viel länger praktiziert als etwa beim Auto. Die Software, „Zuglaufregelung“, wie es im Eisenbahner-Deutsch heißt, aber weiß auch Dinge, die Tschirschwitz gar nicht wissen kann. Ist der Bahnsteig im nächsten Bahnhof schon frei? Wenn nicht, kann man rollen lassen und muss nicht Gas geben – sonst läuft der Lokführer Gefahr, seinen Zug an einem roten Signal ganz zum Stillstand bringen zu müssen, um dann mit hohem Energieaufwand wieder neu anzufahren.

Solche Fragen klärt ein zentraler Rechner und spielt die Antworten darauf Marcel Tschirschwitz in sein ICE-Cockpit. Der Lokführer bekommt auf seinen Instrumenten dann eine Richtgeschwindigkeit angezeigt. Wenn er sie einhält, fährt der ICE so umweltfreundlich wie möglich.

Die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn fahren seit Anfang 2018 zu 100 Prozent mit Ökostrom, 2038 soll dies für alle elektrisch betriebenen Züge gelten. Zehn Terawattstunden elektrischer Energie verbraucht die Bahn jedes Jahr mit täglich 40 000 Zügen auf dem mit 33 400 Kilometer längsten Streckennetz Europas. Der Verbrauch entspricht in etwa dem Bedarf einer Millionenstadt wie Hamburg.

Eine intelligente Fahrsoftware, hat die Bahn errechnet, kann helfen, bis zu zehn Prozent Energie pro Strecke einzusparen. Allein zwischen München und Hamburg sind das 1300 Kilowattstunden pro Fahrt – soviel wie ein Single-Haushalt pro Jahr verbraucht. Die „grüne Welle“, so ergaben Testfahrten, bringt noch einmal zusätzliche bis zu zwei Prozent Einsparpotenzial. Die absolute Menge des eingesparten Stroms ist finanziell bedeutsam.

Die Deutsche Bahn ist dabei, das neue System derzeit bundesweit auf alle Züge des Fernverkehrs auszurollen. Über 90 Prozent seien bereits umgesetzt, heißt es. Im Regionalverkehr sind es bisher nur 25 Prozent. Im Laufe des ersten Quartals 2020 sollen auch alle Regionalzüge angebunden sein. Im Güterverkehr sind alle Fahrzeuge des innerdeutschen Verkehrs mit der Technik ausgestattet.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.