Stapelfeld - Den Aufbau eines effektiven Systems zur Bekämpfung der Nutria hat der Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Godehard Hennies, von der Politik gefordert. Die rechtlichen Restriktionen im Jagd- und Tierschutzrecht müssten umgehend aufgehoben werden, da die Nutria zu einer realen Bedrohung für die Dämme und Deiche in ganz Nordwestdeutschland geworden sei, sagte er vor 125 Jägern in der Katholischen Akademie Stapelfeld. Die ausverkaufte siebte Auflage der jährlichen Veranstaltungsreihe mit fünf Referenten hatte erneut Hermann Wreesmann aus Friesoythe organisiert.

Wie lösen die Niederländer das Problem

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In den Niederlanden, in denen die Hälfte der Menschen unter dem Meeresspiegel lebt, sei die Sicherheit der Deiche und Dämme eine nationale Aufgabe, betonte Henk van der Steen, regionaler Koordinator für die Bisam- und Nutriabekämpfung im Nordosten der Niederlande. Ein Netz von 400 hauptberuflichen Bisam- und 15 hauptberuflichen Nutriajägern sorge für eine effektive Bekämpfung, die sich die Niederländer jährlich rund 33 Mio. Euro kosten ließen. Um den Tierschutz zu berücksichtigen, werde bei der Bekämpfung nur auf Lebendfallen gesetzt.

Wie viele Nutria werden

hier geschossen

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Im Landkreis Cloppenburg haben die Jäger im Jagdjahr 2015/2016 1388 Nutria erlegt, damit habe sich die Abschusszahl in den vergangenen drei jedes Mal verdoppelt, berichtete Heiko Fritz, Koordinator für die Bisambekämpfung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Während die Bisambekämpfung im Land über ein Netz von sechs haupt- und circa 850 ehrenamtlichen Bisamjägern etabliert sei, unterliege die Nutria dem Jagdrecht. Da natürliche Feinde fehlten, könnten die Jäger allein den Siegeszug der Nutria nicht allein aufhalten. Betrachte man die Situation im Kreis Cloppenburg, sei das Tier auf Grund seiner hohen Vermehrungsrate in der Lage, innerhalb von nur drei Jahren mehrere Tausend Nachkommen zu zeugen.

Wie sehen die Wasserverbände das Problem

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Die hiesigen Wasser- und Bodenverbände fordern ebenfalls eine wesentlich intensivere Bejagung der Nutria. Die Beseitigung der von der Nutria verursachten Uferabbrüche nehme zu, erklärte beispielsweise der Geschäftsführer der Friesoyther Wasseracht, Martin Windhaus. Deren Beseitigung falle aber nur in seine Zuständigkeit, wenn der Wasserabfluss nicht mehr gewährleistet sei.

Wie kann das Problem angegangen werden

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Die Probleme, die die Nutria verursache, seien bei der Politik noch nicht angekommen, konstatierte Hermann Wreesmann. Erste praktische Ansätze könnten darin bestehen, den ohnehin vor Ort tätigen Bisamjägern einen beschränkten Jagderlaubnisschein auch für den Fang von Nutria auszustellen. Zusätzlich müssten motivierte Jungjäger verstärkt in die Bejagung eingebunden werden. Die derzeit von den Wasser- und Bodenverbänden gezahlten Fangprämien könnten zusätzlich motivieren und einen Teil der Kosten für Fallen und Fahrten abdecken. Letztlich – so Wreesmann – sei aber der Gesetzgeber gefragt, die von der EU eingeforderten Maßnahmen zur Reduzierung der Nutria praktikabel und rechtssicher zu gestalten.

Was fordert denn die Europäische Union

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Seit 2011 unterliege die Nutria – so Ina Abel, Jagdreferentin im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium – dem Jagdrecht und habe somit eine Schonzeit vom 1. März bis zum 30. August. Da die Nutria ganzjährig Junge haben kann, sei auch der Schutz der führenden Muttertiere, der auch außerhalb der Schonzeit gelte, derzeit ein Problem für eine effektive Bejagung. Eine neue EU-Verordnung zu invasiven Arten, zu denen auch die Nutria gehöre, verpflichte die Länder zukünftig dazu, entsprechende Managementmaßnahmen zur Beseitigung dieser Arten zu ergreifen. Eine effektivere Bejagung sei dann möglich. So würden dann die derzeitige Hegeverpflichtung und auch der Elterntierschutz entfallen.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland