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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

„Es muss weniger Nitrat auf die Felder“

11.01.2018
Frage: Frau Reiche, Sie sind zu Besuch in Oldenburg. Was führt Sie her?
Reiche: Ich bin zu Gast beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband OOWV, bei unserem neuen Vizepräsidenten Karsten Specht. Das ist ein deutsches Vorzeigeunternehmen – sehr innovativ, wenn es etwa um die Sicherung der hohen Trinkwasser-Qualität, um Abwasserbeseitigung, Kooperationen wie aktuell bei der Klärschlammverwertung sowie auch den Dialog mit Wirtschaftszweigen geht, die uns Sorgen bereiten, wie der Landwirtschaft.
Frage: Sie meinen die Sorgen um die Wasserqualität im Boden, wegen teils sehr hoher Nitratwerte, für die die intensive Landwirtschaft als Hauptverursacher gilt. Wie ernst ist die Lage des Trinkwassers mittel- und langfristig?
Reiche: Zunächst einmal eine gute Nachricht: Die Bürger in Deutschland und auch im Oldenburger Land bekommen überall hervorragendes Trinkwasser aus dem Hahn. Aber: Wie die Wasserwirtschaft dies dauerhaft so sichern kann, darüber müssen wir mit der Politik und anderen Gesellschaftsbereichen sprechen. Beispiel Nitrat: Besonders in Regionen mit vielen großen Agrarbetrieben, die ihre Gülle auf die Felder bringen, besteht dringend Handlungsbedarf. Dazu drängt die EU Deutschland seit Langem und droht mit Bußgeld.
Frage: Was setzt außer Nitrat dem Wasser zu?
Reiche: Wir beobachten in der Tat vermehrt auch andere Einträge bzw. Rückstände im Wasserkreislauf. Dazu zählen auch Rückstände von Medikamenten oder Plastikpartikeln, jeweils aus verschiedenen Quellen. Trinkwasser in vorgeschriebener Qualität zu liefern, wird immer aufwendiger und kostet viel Geld – letztlich Geld der Verbraucher. Wir brauchen ein Umdenken.
Frage: Zum Beispiel?
Reiche:   Arzneihersteller sollten verpflichtet werden, auf Beipackzetteln darauf hinzuweisen: Arzneimittelreste gehören nicht in die Toilette, also ins Abwasser, sondern in den Hausmüll. Generell muss das Verursacherprinzip gestärkt werden. Sonst zahlen die Verbraucher den Preis.
Frage: ...wie es ja wohl auch beim Nitrat im Wasser droht! Das Problem ist im Nordwesten seit Jahrzehnten bekannt. Jetzt gibt es neue Regeln. Werden sie endlich greifen?
Reiche: Das Problem ist die zunehmende Anreicherung von Nitrat im Grundwasser. Das eigentliche Ziel der neuen Stoffstrombilanz-Verordnung wird aber nach unserer Einschätzung verfehlt. Ziel war, Nitrat-Einträge in die Böden zu verringern. Was wir bekommen haben, ist ein Schweizer Käse – eine Regelung mit vielen Schlupflöchern. Im Ergebnis können manche größere Betriebe noch mehr düngen als bisher. Wir verlieren wertvolle Zeit für den Gewässerschutz. Ich bezweifle, dass wir mit den beschlossenen Maßnahmen die Grenzwerte halten können, also maximal 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser. 25 Prozent unserer Messstellen liegen darüber. Das ist zu viel. Gewässerqualität kann man nicht schönrechnen. Wir brauchen ein schärferes und effektives Steuerungsinstrument.
Frage: Und was jetzt?
Reiche: Wichtig ist jetzt, dass die Bundesländer ihre rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Sie können in belasteten Gebieten zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Das erlaubt und fordert die neue Düngeverordnung. Meine Sorge ist, dass diese Möglichkeiten dann nicht voll ausgeschöpft werden. Es kann auch nicht sein, dass die eine Seite – also etwa regionale Versorger wie der OOWV – dialogbereit sind und miteinander reden wollen, die Verursacher aber einfach so weitermachen. Es muss weniger Nitrat auf die Felder! Das Thema wird noch Jahre ganz oben auf der politischen Agenda stehen.
Frage: Ihrem Verband gehören auch kommunale Stadtwerke an, also Versorger. Haben die eigentlich den Mega-Bedarf von flächendeckendem schnellen Internet verschlafen? Im Nordwesten zeigt ja EWE , dass es geht.
Reiche: Unser Mitglied, die EWE, ist mit ihrer Telekommunikation beim Breitband-Ausbau ein Vorzeigeunternehmen. Aber auch andere sind sehr aktiv: Allein 2016 haben 150 unserer kommunalen Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro in das schnelle Internet, in Glasfaser investiert. Tendenz steigend. Wichtig ist, dass die Bundesregierung die Förderung so organisiert, dass auch kommunale Akteure partizipieren können, nicht nur die Telekom. Die Zukunft gehört Glasfaser. Nur so gelingt Digitalisierung in der Fläche.
Frage: Wie weit sind Ihre Stadtwerke bei der Infrastruktur für E-Mobilität?
reiche: Es gibt in Deutschland 11 000 öffentliche Ladestationen, der Großteil davon ist in Händen der Stadtwerke. Diese treiben gemeinsame Abrechnungsstandards voran und organisieren zum Beispiel die intelligenten, dezen­tralen Stromnetze in Wohngebieten der Zukunft – mit vielen Elektroautos. Die örtlichen Stromverteilnetze werden zum neuen Tankstellennetz unter der Erde.
Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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