OBENSTROHE - Auf der Ablage der Rücksitzbank sitzt ein Wackeldackel, daneben hütet eine Klopuppe eine Rolle Toilettenpapier und rechts liegt ein Kissen mit Blumenmuster. „Die Sachen hat meine Oma gehäkelt“, erzählt Stefan Meyer (35) und zeigt gleich auf die Decke im Tigermuster auf der Rücksitzbank. „Die hatte schon mein Opa in seinem Kadett.“ Die Geschichte der Familie Meyer ist eng mit Opel verbunden. Fritz Meyer (82) fuhr von 1972 bis 1977 einen Kadett A und von 1977 bis 1987 einen Kadett B. Heino Meyer (59) hat bei Opel gelernt und ist Kfz-Meister. „Ich bin mit Kadett aufgewachsen, da war es irgendwie logisch, dass ich auch mal einen kriege“, meint Stefan Meyer.
Als sein Vater das Haus in Obenstrohe Stück für Stück ausgebaut hatte, fragte ihn sein Sohn: „Was will du nun machen? Kannst du dir vorstellen, mit mir einen Kadett zu restaurieren?“ Das war vor acht Jahren. Stefan Meyer ersteigerte im Internet einen Kadett B. „Es ist ein früher 66er“, sagt der 35-Jährige und erklärt, dass der Kadett B im September 1965 auf den Markt kam. „Als ich den Schrotthaufen in Berlin gesehen habe, habe ich mich unsterblich in ihn verliebt.“ Zwei Jahre lang haben Stefan und Heino Meyer den Wagen intensiv restauriert. „Es ist schön, mit dem eigenen Vater ein gemeinsames Hobby zu haben“, schwärmt Stefan Meyer. Der Sozialwissenschaftler ist in Sachen Fahrzeugtechnik und Karosseriebau quasi bei seinem Vater in die Lehre gegangen. Vater und Sohn basteln aber nicht nur gerne an alten Kadetts herum. Sie interessieren sich auch für Automobilgeschichte und speziell für Opel.
Die Liebe zu den Fahrzeugen geht so weit, dass sie ihren Oldtimern Namen gegeben haben. „Mein Kadett B heißt Detta. Bei diesem Rot konnte es nur ein Frauenname sein“, sagt Stefan Meyer. Der Kadett A seines Vaters heißt „Fred“. An dem 64er Modell haben sie zwei Jahre lang geschraubt. Mit Stolz haben sie ihn in diesem Sommer zum ersten Mal getankt. „Wir hatten nur die nackte Karosserie gekauft“, berichtet Heino Meyer, die übrigen Teile stammen teilweise von einem anderen Kadett A, den sie ausgeschlachtet hatten, teilweise aus dem Internet. „Wenn man keine Kotflügel hat, sollte man jedoch die Finger davon lassen“, rät Stefan Meyer. Die seien inzwischen selten und sehr teuer.
Zusammen waren Heino und Stefan Meyer mit ihren Kadetts beim Oldtimer-Markt Bockhorn, jüngst auch beim Treffen am Vareler Hafen. Nächstes Wochenende geht es nach Rastede. „Ich fahre mit meinem Kadett B aber auch zum Einkaufen oder zum Rhabarberkuchen-Essen nach Dangast“, erzählt Stefan Meyer. „So ein Fahrzeug entschleunigt den Alltag.“
