OBENSTROHE - Landwirt Steffen Harms klagt über Flächenknappheit, sein Kollege Burghard Schröder hadert mit dem Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit. Antworten auf ihre Fragen erhofften sich beide am Mittwoch von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Er war auf Einladung der OLB zur Veranstaltung Landwirte im Dialog ins Upstalsboom Landhotel Friesland gekommen. 250 Landwirte aus der Region nahmen daran teil.
Die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft ist in Gefahr, sagte Gert Lindemann, es sei notwendig, die Akzeptanz für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu stärken. Die Defizite müssten offen benannt und bekämpft werden. Aus diesem Grund habe die Landesregierung den Tierschutzplan ins Leben gerufen, der Indikatoren für die Tierhaltung festlege. Ein Indikator sei der Antibiotikaeinsatz. Der Einsatz von Antibiotika müsse reduziert werden ohne pauschale Schuldzuweisungen an die Landwirte. Es wird konkrete Verbesserungen der Tierhaltung geben, aber keinen Systemwechsel, kündigte Lindemann an.
Auf Interesse bei den zahlreichen Milchviehhaltern unter den Zuhörern stießen auch Lindemanns Ausführungen zur Beendigung der Quotenregel 2015. Die Milchproduktion in Niedersachsen werde dadurch gestärkt, kündigte der Minister an. In Friesland liege die durchschnittliche Kuhzahl bei Milchviehbetrieben derzeit bei 80 Kühen, die Tendenz sei steigend.
Auch einen Abstecher in die EU-Agrarpolitik unternahm Lindemann. Er sagte, dass nichts akzeptabel sei, was die Flächenknappheit forciert.
Neben OLB-Vorstandssprecher Dr. Achim Kassow, der der Landwirtschaft wegen der wachsenden Weltbevölkerung jede Menge Chancen bescheinigte, sprachen bei der OLB-Veranstaltung Hilmar Gerdes und Matthias Tann zu den Landwirten.
Um das Risikomanagement in der Landwirtschaft ging es Hilmar Gerdes. Der betriebswirtschaftliche Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nannte vor allem den steigenden Fremdkapitalanteil, den steigenden Pachtflächenanteil, eine zunehmende Spezialisierung als Gründe für ein Risikomanagement im landwirtschaftlichen Betrieb. Er mahnte, dem Erhalt der Liquidität besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Das Konfliktpotenzial bei landwirtschaftlichen Betrieben ist erheblich, stellte Matthias Tann, gelernter Landwirt und Mediator im landwirtschaftlichen Bereich, fest. Generationskonflikte, Paarkonflikte oder unterschiedliche Ansichten über die Betriebsentwicklung machten das Leben schwer.
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es keinen allgemeingültigen Lösungsweg für den wachstumswilligen Landwirt geben wird. Individuelle und lokale Unterschiede müssen die Strategie bestimmen.
