Bösel - Seit 1956 wohnt Hermann Seppel in Overlahe. „Damals war hier nichts“, erinnert sich der Landwirt, der viele Jahre die Siedlergemeinschaft Overlahe führte. In der Chronik zu 50 Jahren Overlahe schreibt Bruder Alfred Seppel: „Rings um uns nur Öde; kein Baum und kein Strauch waren weit und breit zu sehen. Hier in dieser völligen Einöde sollten wir leben, den Acker bestellen und ernten.“
1876, so berichtet Hermann Seppel, seien im Oldenburger Land 44 Prozent des Landes unkultiviert, 1966 waren es noch vier Prozent. In Overlahe sollten 65 Siedlungsstellen angesiedelt werden, doch davon wurde wegen erwarteter Überproduktion Abstand genommen. 1962 waren es 18, 16 davon erhielten Vertriebene. Darunter die Eltern vom Hermann Seppel. Sie stammten aus Oberschlesien (Neudeck). Viel haben die Siedler in den gerade einmal 58 Jahren der Geschichte dem Moor abgetrotzt – mit harter, entbehrungsreicher Arbeit.
Landesraumordnungsprogramm, Regionales Raumordnungsprogramm, Landschaftsschutzgebiet – mit diesen Themen beschäftigt sich der 75-Jährige schon sein ganzes Leben. Bereits 1975 hat er den Kampf durch die Institutionen aufgenommen, hatte an den Präsidenten der damaligen Bezirksregierung und das Bundeslandwirtschaftsministerium geschrieben, weil er die Existenz der Siedlerbetriebe in Overlahe wegen der schlechten Entwässerungsverhältnisse bedroht sah. 1979 kam schließlich ein Bewilligungsbescheid über 1,6 Millionen D-Mark. 15 Kilometer neue Gräben wurden gezogen, ein neues Pumpwerk gebaut. Umfangreich wurde tiefgepflügt. „Viel Geld ist in die Flächen, die heute noch bewirtschaftet werden, geflossen.“
Umso mehr ärgert sich Hermann Seppel über die Pläne von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer zur Neuordnung des Landesraumordnungsprogramms. Die Pläne würden Overlahe erheblich treffen. Dabei, sagt Seppel, seien große Teile des Gebietes, das das Ministerium als Vorrangfläche für Torferhaltung und Moorentwicklung ausweisen möchte, bereits gekuhlt, tiefgepflügt und übersandet.
Um den Moorboden für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, wurde der Unterboden mit Sand vermischt. Zum Einsatz kamen der Ottomeyerpflug bei einer Mächtigkeit des Restmoores von weniger als 1,80 Metern. Bei einer größeren Moormächtigkeit wurde die Rathjen-Übersandungsmaschine eingesetzt. Dabei wurde mit einem Fräsrohr und einer Kuhlschnecke Sand nach oben befördert; damit wurde eine zwölf oder 15 Zentimeter breite Decke auf das Moor gesetzt.
Auch der Böseler Gemeinderat fordert in einer Stellungnahme an das Landwirtschaftsministerium – wie berichtet –, das geplante Vorranggebiet Torferhaltung und Moorentwicklung in Overlahe „ersatzlos zu streichen“. In der Stellungnahme heißt es, man befürchte, dass neben den Hochmoorsiedlungen Hülsberg und Ostland auch die Ortschaft Overlahe „von der Landkarte verschwinden“ werde.
Zum aktuellen Entwurf hat Hermann Seppel „natürlich“ auch eine Stellungnahme ans Ministerium geschickt. Es sei wichtig, dass auch nachfolgende Generationen in Overlahe eine Zukunft hätten. Hermann Seppel hatte den Hof 2004 an Sohn Manfred übergeben. Mit dessen 16-jährigem Sohn Tobias wächst die vierte Generation heran.
Nur noch wenige Flächen im Bereich Overlahe befinden sich im Abbau. Die letzten Genehmigungen laufen in sechs, sieben Jahren aus und werden dann wiedervernässt.
