Bremen/Oldenburg - Im Schifffahrtsmarkt, seit Jahren wegen Überkapazitäten und gedrückter Charterraten in der Krise, gibt es Anzeichen für eine Besserung. Die Bremer Landesbank (BLB), ein bedeutender Schiffsfinanzierer, beobachtete in den ersten Monaten des Jahres eine „kräftige Erholung, die weit über unseren Planungen liegt“, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Stephan-Andreas Kaulvers am Dienstag bei der Bilanzvorlage berichtete.

Allerdings schränkte er ein: Auch in früheren Phasen der seit sieben Jahren dauernden Schifffahrtskrise habe es temporäre Erholungen gegeben. Doch dann seien die Charterraten wieder abgeschmolzen. „Wir wissen nicht, wie die Entwicklung weiter verlaufen wird“, räumte der Landesbank-Chef ein, man könne nur „mit vorsichtigem Optimismus“ auf ein Ausklingen der Schiffskrise hoffen“.

Die BLB hat ihr Portfolio von einst fast 1100 Schiffen deutlich reduziert. Ende 2014 waren es noch etwa 750, nach rund 850 am Jahresanfang, erläuterte Vorstand Björn Nullmeyer. Schwerpunkte sind kleine Containerschiffe, „Bulker“ und Vielzweckfrachter. Das Volumen liege bei gut 6,5 Milliarden Euro. Neugeschäft gebe es nur „selektiv“.

Starke Dynamik im Neugeschäft meldet die BLB dagegen für den – von Oldenburg aus geführten – Bereich der Erneuerbaren Energien mit Neugeschäft über mehr als 860 Millionen Euro (Volumen rund fünf Milliarden Euro). „Klar der Wachstumstreiber“ sei Windkraft an Land. Man finanziere jede neunte bis zehnte neue Anlage in Deutschland. Auch auf See schaue man sich nach dem Offshore-Windpark „Butendiek“ weitere Anlagen an, doch sitze die BLB hier „nicht in der ersten Reihe“. Generell setze sich der positive Trend bei Windkraft „2015 bisher so fort“. Es gebe „genug aktive Projektierer“.

Angesichts zahlreicher Herausforderungen durch Märkte und Regulierungen 2014 habe sich die BLB „ganz ordentlich geschlagen“, zog Kaulvers die Gesamtbilanz. Man habe keine Verluste, keine großen Rechtsrisiken. Der Gewinn sei „solide“. Konkret weist die Bilanz für 2014 einen Gewinn vor Steuern von 43 (Vorjahr: 68) Millionen Euro aus. Nach Steuern blieben 31 (49) Millionen Euro.


Eine Ausschüttung an die Gesellschafter – Nord/LB (54 Prozent), Hansestadt Bremen (42) und Sparkassenverband (4) – gibt es nicht. Kaulvers deutete eine entsprechende Planung auch für die nächsten zwei Jahre an. Hintergrund ist die durch Regulierung vorgegebene Stärkung des Eigenkapitals. Die Träger seien diesen Weg mitgegangen, „die volle Performance zur Substanzstärkung einzusetzen“, so Kaulvers. Die Kernkapitalquote gab die BLB stabil mit neun Prozent an.

Für das Vorjahr waren 35 Millionen Euro ausgeschüttet worden. Als Zielregion gelten eher 70 Millionen Euro. Allein Bremen fehlt ein zweistelliger Millionenbetrag für den Etat.

Beim Gewinn hätte es unterm Strich „auch mehr sein können“, wie Kaulvers mit seinen Kollegen Heinrich Engelken, Dr. Guido Brune und Björn Nullmeyer erläuterte. Doch man stockte „als rein vorsorgliche Maßnahme“ die Risikovorsorge portfoliobasiert für Schiffe pauschal um 40 Millionen Euro auf. Man hoffe, dass dieser Puffer „nicht wirklich gebraucht“ werde, sagte Risikovorstand Engelken. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft wuchs um acht Mio. auf 271 Mio. Euro.

Das Ertragsniveau sei trotz der Belastungen – etwa durch das Minizins-Umfeld – „auf hohem Niveau konstant“ geblieben. So stieg der Zinsüberschuss um 1,6 Prozent auf 437 Millionen Euro, und der Provisionsüberschuss legte um 4,9 Prozent auf 43 Millionen Euro zu. Basis sei „solides Wachstum“ mit Privat- und Firmenkunden im regional stark verankerten Kundengeschäft.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)