OFEN - Auf der so genannten Bewegungsbaustelle kann geklettert, gerutscht und balanciert werden. Auch das Sozialverhalten wird geschult.

Von Nadia-Zakia Chelly

Alina ist sonst etwas zurückhaltend und nähert sich Neuem eher vorsichtig. Die neuen Zauberkästen, Holzbretter, Klötze und Drainagerohre aber hat sie sofort für sich entdeckt. Sie klettert die Kästen hoch und rutscht auf dem Brett, das schräg an den Kästen lehnt, wieder herunter. Einmal, zweimal, Alina wird immer mutiger. Mit ihr toben an diesem Vormittag Anna, Alexander, Jolina, Mette, Robin und Tamara an der neuen Bewegungsbaustelle im Evangelischen Kindergarten Ofen „Die Arche“. „Die Kinder bewegen sich so über Stunden und merken es gar nicht“, sagt die Leiterin der Einrichtung, Sabine Hoeft-von Holt.

Und auch dieses Mal vergeht die Zeit wie im Fluge. „Wir haben eine Murmelbahn für Tennisbälle gebaut“, erzählt Alexander stolz. Durch das Drainagerohr, das die Kinder zuvor in ein Meter Höhe an einem Zauberkasten befestigt haben, kullern nun die gelben Filzbälle. Immer und immer wieder. Ständig wird die Bahn verändert. Wenn die Kinder merken, dass der Ball nicht unten ankommt, variieren sie die Schräge der Bahn mit Holzklötzen. „Diese physikalischen Erfahrungen, die die Kinder hier im Spiel sammeln, nehmen sie mit in die Schule“, so Hoeft-von Holt.

Der Fantasie der Kinder sind keine Grenzen gesetzt. „Das, was sie haben wollen, können sie sich bauen“, sagt Mitarbeiterin Gertraude Hafermann und weist auf einen weiteren Vorteil der Bewegungsbaustelle hin: „Wenn wir das Gleichgewicht der Kinder schulen wollen, bauen wir mit Kästen und Brettern Brücken und balancieren.“


Vorgefertigte Spielgeräte gäben bestimmte Bewegungsabläufe vor, bei der Bewegungsbaustelle ist Kreativität gefragt, die Kinder setzten Kraft und Geschick ein, so Hoeft-von Holt. „Drücken, schieben, zielen, heben: Die Muskeln werden vielfältig eingesetzt“, ergänzt Hafermann. Auch das Sozialverhalten der Kinder werde geschult. „Ein Brett ist nämlich zu schwer, um es alleine tragen zu können“, sagt Hoeft-von Holt. Beim Bauen sei Teamarbeit gefragt. „Interessant ist, was die kleinen sich von den großen Kindern so alles abschauen“, ist ihr aufgefallen.

Entstanden ist die Bewegungsbaustelle in Zusammenarbeit mit der Berufsbildenden Schule für Technik und Gestaltung in Oldenburg sowie der Ofener Möbeltischlerei. „Es ist ein Wunsch für die Eltern, die uns bei der Planung unterstützt haben, und für uns Mitarbeiter in Erfüllung gegangen“, freut sich Hoeft-von Holt. „Wenn man Kindern so etwas wie die Bewegungsbaustelle bieten kann, dann mögen sie sich auch gerne bewegen.“