OFENERDIEK - Die Vorarbeiten waren gesundheitsgefährdend. Morgen geht’s am Graben weiter.
Von Susanne Gloger
OFENERDIEK - Immer einfach hat es die Stadt ihnen nicht gemacht – dennoch, die Mitglieder der Agenda-Gruppe „Kleingräben“ verfolgen ihre Ziele hartnäckig. Ihr neues Projekt heißt „Renaturierung eines Kleingrabens“. Testobjekt ist ein Graben an der Ecke Mümmelmannsweg 2/Heideweg. Morgen, Sonnabend, wird die Gruppe zusammen mit dem Bürgerverein Ofenerdiek und dem Siedlerbund dort aktiv sein.„Es gibt 420 Kilometer dieser Kleingräben in Oldenburg, davon sind etwa 40 Prozent in einem schlechten Zustand“, weiß Gruppensprecher Heinz Tenfelde. Zur Befestigung seien etliche dieser städtischen Gräben mit Gehwegplatten, Zement oder Teakholz befestigt. „Manche sind sogar zugewachsen. Das ist schlecht für den Hochwasserschutz“, so Tenfelde.
Seit zwei Jahren bemühen er und seine Mitstreiter sich engagiert um Verbesserungsmöglichkeiten. Wie berichtet, haben sie mit Hilfe eines Wardenburger Steineherstellers den so genannten Öko-Stein zur Grabenbefestigung entwickelt. Erst nach zähem Ringen mit dem Umweltamt und mit Fürsprache des Umweltausschusses durfte die Gruppe in einem Graben an der Hardenbergstraße diese ökologischen Betonelemente einbauen.
Wissenschaftlich begleitet wird der für drei Jahre geduldete Test von Dr. Rainer Buchwald von der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte/Weser-Ems. Der Fachmann stellte bereits fest: „Die bisherige Entwicklung der Vegetation in, an und zwischen den offenen ,Öko-Steinen’ lässt die Vermutung zu, dass sich die Böschungen zum Lebensraum artenreicher Bestände entwickeln können.“ Den Einsatz der Steine hält Buchwald genauso wie die Agenda-Gruppe aber nur dort für sinnvoll, wo eine Verbauung aus Gründen der Wasserführung und/oder der biologischen Gestaltung des Ufers dringend geboten ist.
Zurück zur Natur ist deshalb das Motto des zweiten Projekts. Im Testobjekt fand die Gruppe Asbest-Zement-Wellplatten. „Es ist der mit Abstands schlechteste Verbau, der uns bei vielen Begehungen aufgefallen ist“, sagt Tenfelde. Und die Stadt hatte Gesundheitsbedenken. Die Platten durften nur von jemandem entfernt werden, der einen Sachkundenachweis für den Umgang mit Gefahrstoffen besitzt.
Bezirksschornsteinfegermeister und Bürgervereinsvorsitzender Hans-Gerd Tabke half sofort. Im Schutzanzug und mit Atemschutzmaske räumte er die Asbest-Platten aus dem Graben und verpackte sie fachgerecht in Schutzhüllen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb entsorgte den Sondermüll. Morgen werden weitere ehrenamtliche Helfer noch Beton und Stahl aus dem Graben holen. Und danach? „Es wird hier nichts angepflanzt. Es soll sich ansiedeln, was will“, sagt Tenfelde. Wissenschaftlich begleitet wird auch dieser Test von Rainer Buchwald.
„Es ist der
mit Abstand
schlechtes
Verbau“
Heinz Tenfelde
