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Man spricht bundesweit vom IT-Standort Oldenburg. Vor zehn Jahren hätte davon niemand zu träumen gewagt, sagt der Informatikprofessor. Von Thomas Hellmold
Frage:
Herr Professor Appelrath, warum haben Sie sich gerade jetzt entschlossen, den Vorstandsvorsitz an Ihren Kollegen Nebel abzugeben? Immerhin hat OFFIS laut Geschäftsbericht 2004 ein „Premiumjahr" hinter sich. Doch eigentlich ein Grund, den Erfolg weiter zu genießen …
Appelrath:
. . . nach 13 Jahren mit dem Vorsitzenden Appelrath wollen wir zeigen, dass das Erfolgsmodell OFFIS auch mit anderer Rollenverteilung funktioniert. Im dreiköpfigen Vorstand, der laut Satzung seine Funktionen selbst festlegt, waren wir uns seit längerem einig, dass Wolfgang Nebel ab der Mitgliederversammlung 2005 den Vorsitz übernehmen soll. Und er wird das auch hervorragend machen. Ich bleibe ja mit ihm und Werner Damm im Vorstand und genieße das ebenfalls erfolgreiche Jahr 2005 und sicher viele weitere. Und dann wird auch allen Beobachtern klar, was wir schon lange wissen: Die Institution OFFIS ist beständiger und wichtiger als der jeweils aktuelle Vorsitzende.
Frage:
Das Institut, 1991 gegründet, bestreitet heute gut 70 Prozent seines Haushaltes von mehr als neun Millionen Euro aus Drittmitteln. Es hat bei deren Einwerbung seit langem eine Spitzenstellung in Land und Bund. Was macht OFFIS anders oder sogar besser als vergleichbare Institute?
Appelrath:
Wir haben innovative und motivierte Professoren und Mitarbeiter, ein Gespür für die richtigen Themen und einen für wissenschaftliche Einrichtungen ungewöhnlichen Mannschaftsgeist. Und wir verwenden kaum Zeit mit internen Verwaltungsprozessen, denn das Spannende finden wir außerhalb von OFFIS in einer sich rasant verändernden Welt. Alles zusammen macht uns so erfolgreich, dass wir seit der Gründung schon fast 50 Millionen Euro Drittmittel von außen nach Oldenburg geholt haben.
Frage:
Wo steht der Informatik-Standort Oldenburg, der sich im IT-Quartier rund um OFFIS entwickelt hat, nach Ihrer Einschätzung national und international?
Appelrath:
Wer vor zehn oder gar 20 Jahren prophezeit hätte, was inzwischen in OFFIS und vor allem auch seinem Umfeld passiert ist, wäre als Phantast bezeichnet worden. Auch dank unseres Engagements spricht man inzwischen bundesweit tatsächlich vom IT-Standort Oldenburg. Erfreulich ist neben unserer Entwicklung vor allem die der EWE-Gruppe mit ihren Töchtern für IT und für Telekommunikation sowie anderer Unternehmen, die alle auch von unseren hervorragenden Absolventen in Universität und OFFIS profitieren.
Frage:
Reicht das derzeitige strategische und wissenschaftliche Profil des Instituts aus, um den Bestand von „Offis“ langfristig zu garantieren?
Appelrath:
Ein aktuelles Profil kann nie langfristig reichen. Aber ich bin kein Freund von zu viel Papieren, in denen man die Zukunft beschreibt, um dann später begründen zu müssen, warum sie doch anders aussieht. Entscheidend ist die Fähigkeit, anwendungsorientierte Forschung und nach Innovationen rufende Marktentwicklungen zusammen zu bringen. Diese Fähigkeit zu Evolution und Adaption unserer Kernkompetenzen müssen wir uns bewahren.
Frage:
Sie hatten schon verschiedene Angebote, zuletzt ein attraktives aus Innsbruck, haben sich aber immer für das Bleiben in Oldenburg entschieden. Hatten Sie je Anlass, diesen Entschluss zu bereuen?
Appelrath:
Nein. Ich bin gerne geblieben, weil wir an der Universität und im OFFIS ein hervorragendes Arbeitsumfeld haben. Und weil ich inzwischen auch an Land und Leuten hänge. Das habe ich neulich wieder bemerkt, als mir der „Oldenburger Bulle" verliehen wurde. Es gibt sicher renommiertere Auszeichnungen für einen Wissenschaftler in der Republik, aber der Bulle ist mir ans Herz gewachsen und wird mich auch weiterhin verpflichten, mein Bestes für die Oldenburger Informatik und ihr Umfeld zu tun.