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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Oh, wie schön ist Panama für Hartmann

28.01.2010

LEER Der Ausbau des Panama-Kanals dürfte zurzeit die größte Baustelle der Welt sein – und ein Unternehmen aus Ostfriesland spielt eine wichtige Rolle dabei: Spezialfrachter der Hartmann-Gruppe aus Leer schaffen aus Florida große Mengen Zement heran. Im Herbst 2009 seien die Verträge unterschrieben worden, erläuterte Alfred Hartmann, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Hartmann AG, in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Der Zementfrachter „UBC Cork“ pendele bereits seit einigen Wochen zwischen den US-Häfen Tampa sowie Port Everglades und Almirante nahe der Kanal-Baustelle. Ein weiterer Neubau aus China, die hochmoderne „UBC Cartagena“, werde das Einsatzgebiet in Kürze erreichen.

Und darum geht es: Der Panama-Kanal, wichtige Verbindung von Atlantik und Pazifik, wird ausgebaut, um für größere Schiffe passierbar zu werden. Die Schifffahrtsstraße soll u.a. von 32 auf 45 Meter verbreitert werden. Auch große Pötte konnten sich dann den zeitraubenden und kostspieligen Weg um Südamerika herum sparen.

Große Wasserreservoirs

Bei dem Projekt wird Wert darauf gelegt, dass beim Schleusen Richtung Karibik (talwärts) der Panama-Region nicht dauerhaft Wasser entzogen wird. Der Wasserspiegel würde sonst sinken, die Landschaft zerstört werden. Deshalb wurden große Wasserreservoirs angelegt, die beim Füllen bzw. Leeren der Schleusenkammern ausgleichend genutzt werden könnten, erläuterte Hartmann. Zurzeit sind die Dämme für die riesigen Becken für den künftig noch größeren Kanal im Bau. Und sie verschlingen gewaltige Mengen Zement.

Vor Ort in Panama wird dieses Baumaterial nicht produziert. Dafür ist viel Energie nötig. Und so kamen die Ostfriesen ins Spiel. „Oh, wie schön ist Panama“, könnte man in Leer in Anlehnung an ein Buch des Kinderbuch-Autors Janosch sagen.

Die Schiffe verbinden Massengut mit Hochtechnologie. Zement ist eigentlich eine staubige Abgelegenheit. Doch seine Frachter arbeiten mit geschlossenem Lade- und Lösch-System, das sie selbst mitbringen, wie Alfred Hartmann erläuterte. Aus dem Pumpsystem zwischen Laderaum und Lastwagen dringen praktisch keine Emissionen nach draußen. Damit der Zement sich nicht verdichtet, sondern feinkörnig und somit beim Entladen pumpfähig bleibt, wird er während der Schiffspassage von einem ausgeklügelten System aus beweglichen Gummimatten und einströmender Luft unten im Rumpf ständig in Bewegung gehalten. Riesige Filter, mit schwedischer Technik, sorgen dann beim Abpumpen der geradezu flüssig wirkenden Ladung dafür, dass der Zement fast ohne Staub draußen ankommt.

Mit diesen Schiffen, die wie kleine Fabriken arbeiteten, sei man sehr flexibel und von Hafenverhältnissen vor Ort recht unabhängig, freut sich der Seniorchef. Sie seien „die modernsten am Weltmarkt“. Er hofft, dass der Zement nur der Anfang ist – und es weitere Kanal-Aufträge gibt. Das Großprojekt soll bis 2014 fertig sein.

Insgesamt drei Zementfrachter sind für die Leeraner bereits auf den Weltmeeren unterwegs. Drei weitere (mit jeweils 8000 bzw. 13 000 Tonnen) sind bestellt, alle fahren mit jeweils etwa 16 Besatzungsmitgliedern.

Mit ihrer lukrativen Spezialisierung sind sie für die Hartmann-Flotte, eine wichtige Teil-Aktivität. Denn andere Sparten, vor allem die Container, lahmen in der Weltwirtschaftsflaute. Die Zement-Flotte ist weltweit im Einsatz, mit einem weiteren Schwerpunkt zwischen Indien und Arabien. Doch Gelegenheiten würden sich überall auftun.

Alfred Hartmann, heute 63, hatte sich Anfang der 80er Jahre selbstständig gemacht – und steht für eine der großen Erfolgsstorys der Branche, von der auch die seemännische Ausbildung am Heimatstandort Leer stark profitierte. Mittlerweile sind mehr als 100 Schiffe für das weltweit tätige Familienunternehmen im Einsatz. Er sei für die Branche verhalten optimistisch, sagt der erfahrene Senior. Auch diese Krise werde irgendwann vorbei sein. Die Globalisierung funktioniere nur mit Seefahrt.

Generationswechsel

Für die eigene Firma ist er besonders zuversichtlich. Der Generationswechsel ist geglückt. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Niels Hartmann, sein Sohn, lenkt mit fast 5000 Mitarbeitern einen „guten Mix“ aus Spezialschiffen für Gas, Massengut, Holzprodukte (auch Zeitungspapier) – und eben Zement.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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