Ohmstede - Die Anwohner hatten sich schon an den Anblick gewöhnt. Seit Februar lagen am Rand der August-Hanken-Straße die Reste von zwei gefällten Rosskastanien. Die Stämme der beiden Riesen hatte das Grünflächenamt flugs entfernt. Das Kleinholz – und auch die beiden mächtigen Stumpen – blieben (NWZ berichtete). Der Winter ging, der Frühling kam.
Spaziergänger, die auf diesem Abschnitt der Freizeitroute Bornhorst (und beliebte Kohlfahrtstrecke) unterwegs waren, staunten über die Totholzhaufen: „Was ist denn hier passiert?“ Doch auch sie gewöhnten sich an den Anblick. Hundehalter fanden hier ein Stöckchen zum Spielen für Bello. Mancher Zweig wurde auch für Dekozwecke mitgenommen. Doch so richtig schrumpften die Reisighaufen dadurch nicht. „Ist das Kunst?“, sei sie von ihren Verwandten ironisch gefragt worden, erzählt eine Anliegerin. „Nee, das kann weg“, hat sie geantwortet und gegrübelt, ob die Stadt den Grünabfall wohl vergessen habe.
Hat sie nicht: An diesem Donnerstag, punkt 8 Uhr morgens, starteten Mitarbeiter des Grünflächenamtes den großen Schredder, schleppten Äste und Zweige und ließen sie zermahlen. Seither erinnern nur noch die beiden Stümpfe an die Bäume. Und der Begegnungsverkehr rollt wieder schneller aneinander vorbei. Die Totholzhaufen hatten nämlich durchaus auch eine verkehrsberuhigende Wirkung in der Tempo-30-Zone.
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Warum mussten die Bäume gefällt werden |
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Laut Stadt waren die beiden Kastanien von Schaderregern (Kastanienminiermotte, Blattbräune, Rindenerkrankung) sowie durch holzabbauende Sekundärpilzen derart befallen, dass auch mit baumpflegerischen Mitteln das Absterben der Bäume nicht aufgehalten werden konnte.
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Warum lagen die Reste so lange an der Straße |
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Dafür nennt die Stadt mehrere Gründe. Zum Einen sei der Orkan „Xavier“ schuld. Der habe im Oktober 2017 erheblichen Schaden im städtischen Baumbestand angerichtet. Der Arbeitsaufwand in der Baumpflege habe sich dadurch vervielfacht und ebenso der Aufwand zum Beseitigen des Bruch- und Astholzes. Trotz des Einsatzes von drei Buschholzhackern und der Vergabe von Dienstleistungen habe sich das Schreddern des Ast- und Bruchholzes enorm in die Länge gezogen.
Zum Anderen wurden laut Stadt ebenso in der Winterzeit die ohnehin erforderlichen Schnittmaßnahmen in den Baum- und Gehölzbeständen vorgenommen, so dass der Schnittgutanfall enorm zugenommen hat. Und außerdem sei es aufgrund des hohen Arbeitsanfalls notwendig gewesen, die Maßnahmen zu priorisieren. Straßen oder Bereiche, in denen das aufgeschichtete Astholz nicht störte, wurden zunächst zurückgestellt.
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Waren Bodenbrüter in Gefahr |
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Die Stadt beschreibt den Ablauf so: Vor Arbeitsbeginn wird das aufgeschichtete Astholz auf Nester untersucht. Beim Vorhandensein von Nestern werden die Schredderarbeiten nicht aufgenommen. Da das Astholz per Hand dem Schredder zugeführt wird, ist auch während des Arbeitsprozesses ein Achten auf Vogelnester möglich und im Bedarfsfall erfolgt ein Einstellen der Schredderarbeiten. Im vorliegenden Fall waren jedoch keine Vogelnester vorhanden.
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Wann kommen die Baumstümpfe weg |
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Die Stubben stören dort nicht und behindern niemanden, meint die Stadt. Ein Ausfräsen sei bis zum Herbst beabsichtigt, kündigte sie an.
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Wo ist der Schredder sonst noch im Einsatz |
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Die aktuellen Schredderarbeiten sind nach Angaben der Stadt noch nicht abgeschlossen und durch die ganzjährig stattfindenden Baumpflegearbeiten (Totholzentnahmen, Kronenerziehung, Jungbaumpflege usw.) falle immer wieder Astholz an, das zu schreddern ist. Im Grunde sei zumindest ein Schredder ganzjährig im Einsatz.
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Was passiert mit dem geschredderten Holz |
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Es wird geschreddert und im Anschluss thermisch verwertet – für Hackschnitzelheizungen. Laut Stadt wurden in diesem Halbjahr mehr als 3500 Kubikmeter an Holzhäckseln produziert und der thermischen Verwertung zugeführt. Dies entspreche im Vergleich zu den Vorjahren in etwa der doppelten Menge.
