Minsen - Die Pläne der rot-grünen Mehrheitsgruppe im Wangerländer Rat, mittelfristig die Aquarien im Nationalparkhaus Wangerland in Minsen abzuschaffen, schlagen hohe Wellen: „Diesen Verzicht halten wir für falsch, die Aquarien sind ein Magnet“, betonen Lisa Schütte und Ute Weers vom Vorstand des Fremdenverkehrsvereins Minsen in einem offenen Brief an die Ratsmitglieder. Sie befürchten, dass durch die Abschaffung der Aquarien der Erfolg der Wiederaufnahme des bisherigen Nordseehauses in die Liste der Nationalparkhäuser gefährdet wird.

„Auch wenn mit der Bezeichnung Nationalparkhaus keine finanzielle Förderung verbunden ist, sollte uns Bürgern das Weltnaturerbe Wattenmeer eine Verpflichtung sein, diesen einzigartigen Lebensraum zu erhalten. Das geht am besten mit naturnahen lebendigen Exponaten, weil nur sie insbesondere Kindern, ein Naturerlebnis veranschaulichen“, argumentieren Ute Weers und Lisa Schütte.

Auch der Fremdenverkehrsverein wisse, dass die Aquarien Kosten verursachen. „Sie dürfen aber angesichts des Nutzens nicht ins Gewicht fallen“, betont der Vorstand: „Wir Minsener haben uns immer mit dem Nationalparkhaus identifiziert. Kinderprogramme sind uns immer ein Anliegen gewesen, dabei war das Nationalparkhaus ein bewährter Partner.“

Lisa Schütte und Ute Weers weisen zudem darauf hin, dass für das Nationalparkhaus Minsen öffentliche Mittel geflossen seien, die eine Zweckbindung hervorrufen. „Im Konzept waren die Aquarien enthalten und dürfen gar nicht zurückgebaut werden“, meinen sie.

Sie werfen der Mehrheitsgruppe vor, ein Exempel am Leiter des Nationalparkhauses, Ralf Sinning, statuieren zu wollen: Der hatte nämlich knapp zwei Jahre lang einen Streit vor dem Arbeitsgericht gegen die Wangerland Touristik (WTG) ausgefochten – und gewonnen. Darin war es unter anderem um seine ganzjährige Beschäftigung im Nordseehaus gegangen: Die WTG hatte vor, Sinning im Winterhalbjahr anderswo zu beschäftigen. Die Aquarien, die auch im Winterhalbjahr, wenn das Haus Pause macht, betreut werden müssen, hatten dabei eine Rolle gespielt.


Im Ausschuss hatte bereits Ellmer Cramer (UWW) die Vermutung geäußert, dass der Vorstoß, die Aquarien abzuschaffen, eine Retourkutsche gegen Sinning sei (die NWZ  berichtete). Angelika Prieß-Tiemann (SPD) hatte allerdings betont, dass sich ja an den Öffnungszeiten beziehungsweise Schließzeiten des Nordseehauses nichts ändere.

Der Fremdenverkehrsverein Minsen kritisiert, dass offenbar keine Rolle spiele, dass die Mitarbeiter im Freiwilligen Ökologischem Jahr ganzjährig im Nationalparkhaus beschäftigt werden müssen.