Schortens - „Stirbt die Biene, stirbt der Mensch“: Der Landfrauenverein Schortens hat sich von den Imkern Ewald Knickelbein (Sande) und Hans Tyedmers (Jever) erklären lassen, was es mit vieldiskutierten Bienensterben auf sich hat. Die Imker zeigten den rund 50 Frauen zudem Wege für eine insektenfreundlichere Umwelt auf.
„Wir leben in einer Kulturwüste“, beschrieb Tyedmers die Situation: Monokulturen mit Mais- oder Rapsfeldern ohne Kräuter, Blühpflanzen und Hecken sorgen dafür, dass die fleißigen Insekten nicht mehr viel Nahrung finden. „Wenn der Raps verblüht ist, müssen unsere Bienen hungern“, sagte Tyedmers.
Dabei ist die Honigbiene nach Schwein und Rind weltweit das wichtigste Nutztier. Schätzungen zufolge werden zwei Drittel aller Obst- und Gemüsesorten durch Bienen bestäubt – mit einem volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 2 Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Wenn die Bienen verschwänden, wäre der Tisch längst nicht mehr so reichlich gedeckt wie bisher.
Die Imker wünschen sich daher einen abwechslungsreichen Pflanzenanbau mit jährlichen Fruchtfolgen, damit der Tisch für Honigbienen, ihre 560 wilden Verwandten, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten wieder reichhaltiger gedeckt ist.
Initiativen wie das Projekt „Lebensräume für Insekten“, das der Kreislandvolkverband Friesland vor einem Jahr ins Leben gerufen hat, können dabei eine Hilfe sein. Die Arbeitsgruppe aus Landwirten, Jägern und Imkern setzt sich für die Schaffung von Blühstreifen ein, auf denen Blumen blühen, die Insekten Nahrung bieten. Mehr Blühstreifen an Ackerrändern, insektenfreundliche Pflanzen auf öffentlichen Flächen und in privaten Gärten wären ebenfalls hilfreich.
Auch der Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft führt zu Bienenverlusten. Aus Imkersicht schädlich sind auch die Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide. Sie schädigen die Bienen schon in sehr kleinen Mengen, indem sie etwa das Orientierungsvermögen so stark beeinflussen, dass sie nicht mehr den Weg in den Bienenstock finden.
Ein weiterer Grund für den Verlust von Bienenvölkern ist die Varroamilbe. Dieser winzige Schädling, kaum so groß wie ein Stecknadelkopf, wurde vor etwa 50 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt. Die Milben saugen erwachsenen Bienen das Blut aus und legen ihre Eier in die Brut der Bienen, von der sie sich ernähren.
Ganze Völker können daran zugrunde gehen. Daher behandeln die Imker ihre Immen mehrmals im Jahr mit natürlichen Mitteln wie Ameisen- und Oxalsäure, um den Milben den Garaus zu machen.
Bei den Landfrauen in Schortens entwickelte sich eine lebhafte Diskussion: „Uns liegt die Imkerei sehr am Herzen“, bekräftigte Annemarie Hasselhorn, Sprecherin des Landfrauenvereins Schortens. „Die Biene ist seit 1920 unser Markenzeichen, weil sie fleißig und sozial ist und Gemeinschaftssinn besitzt.“
