Ganderkesee - Roland Klose lässt extra die Scheiben herunter: „Sie hören nichts“, bekräftigt er wie zum Beweis. Nur ein leichtes Brummen ist zu vernehmen. „Bis Tempo 30 lässt sich ein Geräusch dazuschalten“, erklärt er. Alles andere sind lediglich Abrollgeräusche und Fahrtwind. Seit gut vier Monaten fährt der 51-jährige EDV-Fachmann ein Elektro-Auto. Doch obwohl viele Fachleute den Stromern allein im Stadtverkehr eine große Zukunft prophezeien, nutzt Klose sein E-Auto vor allem im ländlichen Raum.
Bislang setzte Klose auf ein Fahrzeug mit Diesel-Motor. Jetzt pendelt er täglich lautlos zwischen seinem Wohnort in Aschenstedt (Gemeinde Dötlingen) und seinem Arbeitsplatz in Ganderkesee. In einer Halle der Firma Starofit wurde eigens eine „Eon Box“ installiert. Nach knapp einer Stunde ist sein schwarzer Renault Zoe wieder aufgeladen. Eine Box mit Drehstrom-Adapter samt Kabel hat Klose stets im Kofferraum liegen. „Dann kann ich unterwegs problemlos nachladen.“ Das ist bei einer Reichweite von knapp 200 Kilometern notwendig. Außerdem ist das Netz der öffentlichen Ladestationen im Norden noch recht dünn.
Einige tausend Kilometer ist Klose bereits gefahren, darunter Touren nach Berlin und Groningen. Zum Urlaub in Österreich geht es im Sommer ebenfalls per E-Auto. „Man fährt anders“, weiß Klose bereits nach viermonatiger Fahrt-Erfahrung. Obwohl das E-Auto 140 Stundenkilometer erreiche, habe der Fahrer eher den Energieverbrauch im Blick. „Ich rechne mehr.“ Die Zeiten, als das Tanken ein Loch in die Haushaltskasse riss, sind vorbei. Für eine Batterieladung sind – je nach Stromtarif – zwei bis drei Euro fällig. Außerdem sind E-Autos fünf Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit.
Damit sei die Reihe der Kaufanreize aber schon beendet: „In Norwegen können E-Autos sogar die Busspur nutzen“, weiß Klose. Hierzulande würden die Plätze vor den Stromtankstellen regelmäßig von den „Benzinern“ zugeparkt – selbst an der Autobahn-Rastanlage Wildeshausen-Süd. „Man stelle sich vor, eine normale Tankstelle würde als Parkplatz genutzt“, ärgert sich der EDV-Fachmann. Und obwohl sein Auto keinen Milligramm des Klimakillers Kohlendioxid ausstößt, benötigt Klose für die Fahrt in die Bremer Innenstadt eine „grüne Plakette“.
Überhaupt wundert sich der E-Auto-Fahrer, dass es vor großen Verbrauchermärkten oder Gaststätten noch keine Schnell-Ladestationen gibt, zumal die meisten Betriebe ohnehin einen Drehstrom-Anschluss hätten. Der Service sei relativ preiswert und trage erheblich zur Kundenbindung bei. Der Siegeszug des E-Autos im ländlichen Raum ist aus Sicht Kloses aber kaum aufzuhalten: „Auch die Mobiltelefone wurden in kurzer Zeit kleiner und preiswerter.“
