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10 Jahre Laves: Fachleute für Skandale und Krisen

Karsten Krogmann

OLDENBURG - Nein, sagt der Präsident, so hatte er sich den Job damals nicht vorgestellt.

Er ahnte nicht, dass ihn fremde Menschen komisch angucken würden, weil er ihnen irgendwie bekannt vorkommt. Er ahnte auch nicht, dass sie ihm auf offener Straße Fragen zum Thema Gurken stellen würden, sobald sie ihn erkannt haben. Und er ahnte schon gar nicht, dass er bei festlichen Abendessen immer wieder denselben doofen Witz hören würde, nämlich diesen hier: „Ach, Herr Haunhorst ist hier, dann kann uns ja nichts mehr passieren.“

Aber heute, zehn Jahre später, weiß Professor Dr. Eberhard Haunhorst: Das alles gehört zum Job dazu. Wenn man Präsident des Laves ist, des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kennen einen die Leute irgendwann aus „Tagesschau“ und „Heute-Journal“. Der 49-Jährige tritt dort regelmäßig auf, „denn sobald es irgendwo ein Problem gibt, ist Niedersachsen vorne mit dabei“.

Das liegt daran, dass Niedersachsen das Agrarland Nummer eins ist in Deutschland, der „Fleischtopf der Nation“, wie man gern sagt. Auch damals bei der BSE-Krise war Niedersachsen vorne mit dabei, was zur Folge hatte, dass 2001 das Laves gegründet wurde: als übergeordnete Behörde zum Krisenmanagement bei Lebensmittelskandalen und Tierseuchen. 900 Mitarbeiter hat das Laves heute, sie arbeiten in acht Instituten an sieben Standorten. „Kein anderes Land hat eine vergleichbare Einrichtung“, sagt Haunhorst stolz.

Los ging es, natürlich, gleich mit der nächsten Krise: 2002 erschütterte der Nitrofen-Skandal Deutschland, das verbotene Pflanzenschutzmittel war unter anderem in Babynahrung aufgetaucht. Und so ging es weiter: Seehundstaupe. Vogelgrippe. Maul- und Klauenseuche. Gammelfleisch. Dioxin. Zuletzt kam EHEC, und jetzt lächelt der Präsident in seinem Büro im Laves-Zweckbau am Oldenburger Röverskamp sehr zufrieden: „Die Tatsache, dass wir das mit den Sprossen herausgefunden haben, war für uns ein toller Erfolg.“


Denn erst Krisen machen deutlich, wofür eine Behörde eigentlich da ist, weiß Haunhorst. Heute steht das Laves deshalb besser da denn je: Das Land hat jüngst 3,5 Millionen Euro für den Ausbau der Dioxin-Labors bewilligt, in Cuxhaven wird das Fischinstitut neu gebaut, das Dauer-Thema „Privatisierung“ ist vom Tisch. „Das traut sich im Moment niemand mehr zu fordern“, sagt Haunhorst fröhlich. Zwei Millionen Proben untersucht das Amt jährlich, der Jahresetat liegt bei 52 Millionen Euro.

Er geht davon aus, dass die Arbeit fürs Laves zunehmen wird: „Meistens geht es bei uns darum, dass irgendwo etwas reingekommen ist, was da nicht reingehört. Aber in einer globalen Welt werden die Handelswege immer komplexer: Wir müssen uns also noch besser vernetzen, wenn wir das herauszufinden wollen.“ Außerdem müsse man die eigene Arbeit künftig besser kommunizieren. „In der Fachwelt sind wir sehr bekannt, beim Verbrauchern müssen wir noch bekannter werden.“

Er lächelt, eigentlich findet er die Haunhorst-Witze beim Abendessen doch gar nicht so doof: Sie machen ja Reklame fürs Laves und für die Lebensmittelüberwachung. „Dahinter steckt die gute Meinung: Wenn das Laves funktioniert, ist die Welt in Ordnung.“

Tag der offenen Tür:

Das Laves feiert sein zehnjähriges Bestehen am Sonnabend, 9. Juli, mit einem Tag der offenen Tür beim Lebensmittelinstitut Oldenburg (Martin-Niemöller-Straße 2). Von 10 bis 16 Uhr präsentieren sich mit zahlreichen Aktionen vom Fisch- bis zum Bieneninstitut alle acht Institute.

Eberhard Haunhorst stammt aus Ostwestfalen. Er studierte Tiermedizin in Berlin. Der 49-jährige Vater von sechs Kindern lebt in Oldenburg.

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