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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Per Mitfahrgelegenheit vom Land nach Oldenburg?

22.06.2018

Oldenburg Die Art, wie wir uns fortbewegen, um von A nach B zu kommen, wird sich künftig wohl deutlich verändern. Das wurde am Mittwoch bei der Diskussionsveranstaltung „1x1 der Wirtschaft“ im Garten des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) in Oldenburg deutlich.

Ein aktuelles Beispiel stellte dabei der Oldenburger Wirtschaftsinformatik-Professor Jorge Marx Gómez vor: Noch in diesem Jahr soll eine neu entwickelte Mobilitäts-Anwendung (App) für Smartphones nach einer Testphase praxisreif sein. Sie soll auf lokaler Ebene private Verkehrs-Anbieter (Autofahrer) und Nachfrager (Mitfahrer) auch für kurze Fahrten zusammenbringen und diese Bewegungen auch mit weiteren Verkehrsträgern verknüpfen. Ein Schwerpunkt der Tests wird laut Marx Gómez die Wesermarsch.

Grundlagen dazu werden im Projekt „Nemo“ von insgesamt acht Lehrstühlen mehrerer Unis (darunter Oldenburg) erarbeitet. „Nemo“ steht für „Nachhaltige Erfüllung von Mobilitätsbedürfnissen im ländlichen Raum“. Marx Gómez zeigte sich sicher: Eine umfassende Mobilitäts-Versorgung auf dem Land werde nur „durch Kapazitäten erreicht, die man sich gegenseitig zur Verfügung stellt“, vorangetrieben von Informationstechnologien und ergänzt um den bisherigen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit Bus und Bahn.

Das „Teilen“ von Autos („Car-Sharing“, „Car-Pooling“, mitfahren) wurde zum großen Thema beim diesjährigen „1x1 der Wirtschaft“, das von Michael Koch (Leitung Projektmanagement IÖB) moderiert wurde. Die langjährige Reihe wird vom IÖB mit der Wirtschaftsbildungsinitiative wigy ausgerichtet.

Klaus Göckler, Geschäftsführer beim Carsharing-Anbieter Cambio in Oldenburg, berichtete von starkem Wachstum von 18 bis 20 Prozent pro Jahr auf nun mehr als 2100 Kunden und 50 an Stationen bereitstehende Fahrzeuge. Das Umfeld sei „positiv“. Manche Kunden nutzten zugleich etwa auch ein eigenes Auto, ein E-Bike, eine BOB-Chipkarte für den Stadtbus oder sie führen Bahn.

Speziell Oldenburg dürfe sich beim Thema Verkehr nicht nur mit sich selbst beschäftigen – sondern müsse als Oberzentrum das Umland berücksichtigen, sagte Professor Bernd Müller, Leiter des Stadt-Amtes für Verkehr und Straßenbau. Autos seien im ländlichen Raum Verkehrsmittel Nr. 1 und Oldenburg müsse erreichbar bleiben. Müller brach innerorts eine Lanze für den Radverkehr. Der ermögliche eine „autarke Mobilität bis ins hohe Alter“. Weitere wichtige Säule auch im Umlandverkehr bleibe der ÖPNV. Und Bus und Bahn seien ja auch eine „Möglichkeit des Sharing“ im Verkehr. Es sei dagegen kein Erfolg, wenn in Oldenburg mehr Autos verkehrten, mahnte der Amtsleiter. „Das massive Luftreinheitsproblem ist mit mehr Autos nicht zu lösen.“

Ulf Koschig, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Autoteilspezialisten Vierol AG, war mit dem Fahrrad zum 1x1 angereist und hat zu Hause auch ein Elektroauto (neben einem traditionellen). Er warb für flexible Nutzung der vielfältigen Verkehrsangebote und einen pragmatischen Umgang mit Autos. Unabhängigkeit sei ein hohes Gut. Wer etwa anderenorts einen pflegebedürftigen Angehörigen habe, der zum Beispiel nachts um drei Uhr Alarm gebe, dann wolle man nicht erst noch „jemanden finden, der einen hinfährt“. Sogar noch attraktiver könne das eigene Auto etwa durch eine „Flatrate von 99 Euro“ für Elektroautos werden. Er sei sicher, dass weltweit künftig noch mehr Autos produziert würden. Allerdings werde man, wenn der Verkehr weiter so wachse, an Sperrungen von Städten aus Platzgründen wohl nicht vorbeikommen – wie in Singapur. Koschig: „Es müssen klare Konzepte her.“

Professor Dirk Loerwald (IÖB) betonte in seiner humorvollen Einführung, die Deutschen hätten ein „besonderes Verhältnis zum Auto“. Wie bewegen wir uns in Zukunft? Das sei deshalb eine besonders spannende Frage. Die Runde machte klar: In dem Thema steckt aktuell ungewöhnlich viel Bewegung.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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