OLDENBURG - Viele Verbraucher wollen mehr über ihre Nahrung wissen – und Produzenten sind bereit, mehr Einblicke zu gewähren. Zudem werden die technischen Möglichkeiten zur Information besser. Das wurde bei der Diskussionsveranstaltung „Tischlein deck dich – Moderne Lebensmittelproduktion zwischen Wirklichkeit und Romantik“ deutlich, die das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) und die Wirtschaftsbildungsinitiative Wigy am Donnerstag in Oldenburg ausrichteten. Ziel war, wie bei der seit Jahren beliebten Reihe „1x1 der Wirtschaft“ üblich, „ganz grundlegende Zusammenhänge aufzuzeigen“, wie IÖB-Geschäftsführerin Katrin Eggert vor 120 Gästen sagte.

Der Oldenburger Professor Rudolf Schröder schilderte die enorme Produktivitätssteigerung der Nahrungsmittelproduktion. Nie sei Nahrung günstiger gewesen. Zugleich sei die Produktion industrialisiert und ihre Kette komplex geworden, es herrschten Kosten- und Konkurrenzdruck. Viele Verbraucher hätten andere, romantische Vorstellungen. Doch ihr „Anspruch stehe „in krassem Widerspruch zur Zahlungsbereitschaft“.

„Wir haben lange Zeit genossen, dass Lebensmittel günstiger wurden“, sagte Christian Kircher, Geschäftsführer des regionalen Branchennetzwerkes „Food Nordwest“. Man müsse sich natürlich „fragen, wie dies möglich ist“. Es gelte, „Verbraucher und Produzenten zusammenzubringen“. Kircher plädierte für Transparenz und offene Betriebe, auch etwa in der Schlachtung.

Der Landwirt Christian Meyer-Hullmann (Gut Wahnbek) berichtete von den Wachstumszwängen in der Branche. Auch bei ihm könnten etwa nicht mehr alle Tiere ständig auf der Weide sein. Gleichwohl sei Landwirtschaft für ihn auch heute etwas „Schönes, Romantisches“. Die Produktion könne man sich bei ihm anschauen. Der Milchviehhalter Carsten Glüsing-Lüerßen aus Elsfleth sagte konkret: „Wir wünschen uns, dass die Leute mal bei uns anhalten und einfach nachfragen.“ Die Kluft zwischen Produzenten und Verbrauchern sei zu groß.

Ein Zuschauer berichtete von den Verhältnissen früher, als man „quasi gegenüber“ beim Bauern Milch kaufte. Heute sei man über Produkte und Preise orientierungslos.


Der Präsident des Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), Prof. Eberhard Haunhorst, warnte davor, die einstigen Verhältnisse zu verklären. Als Lebensmittelhygieniker drehe sich ihm „der Magen um“. Es habe viele Krankheiten gegeben. Wichtig sei, dass Verbraucher, die mehr bezahlten, etwa für Milch, einen „erkennbaren Mehrwert“ dafür erhielten. Dies könne etwa die Garantie sein, dass die Kühe auf der Weide gehalten würden. Haunhorst wies bei der von Michael Koch (IÖB) geleiteten Diskussion auf neue technische Möglichkeiten zur Information hin – so könne man sich per Smartphone den Betrieb anschauen, dessen Fleisch man im Supermarkt entdecke.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)