Oldenburg - „Die Landwirtschaft ist überlebenswichtig für uns Menschen. Die Landwirte müssen von ihrer Arbeit leben können“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin und Landwirtin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Donnerstag bei der Kammerversammlung der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen in Oldenburg.
Doch für immer mehr Landwirte wird der Traumberuf scheinbar zum Albtraum. Laut Kammerpräsident Gerhard Schwetje sind es nicht nur die Wirtschaftsergebnisse, die Bauern auf die Straße treiben. Die Botschaft sei klar: „Redet mit uns“, sagte Schwetje. Doch das sei keine Selbstverständlichkeit. „Wir waren weder bei der Ausweisung der ,roten Gebiete‘ durch das Land beteiligt, noch hat uns der Bund bei der Verschärfung der Düngeverordnung frühzeitig einbezogen“, sagte Schwetje. Dazu komme die Belastung etwa durch Dokumentationspflichten. Die Landwirte seien zur Erneuerung bereit, wüssten aber oft gar nicht, in welche Richtung es gehen solle. Sie bräuchten dringend Klarheit. Da gehe es auch um Bundesgesetzgebung.
Am Montag gibt es im Bundeskanzleramt einen sogenannten Agrargipfel mit Vertretern der Bauern und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Das laufende Wirtschaftsjahr 2019/2020 stehe unter dem Eindruck der Dürre des zurückliegenden Sommers, erklärte Schwetje. Für Ackerbau- und Grünlandbetriebe prognostizierte er „ein ganz schwieriges Jahr“. Angesichts der zweiten miserablen Futterernte in Folge und stagnierender Milch- und Rindfleischpreise rechnet Schwetje für die Milchviehbetriebe kaum mit besseren Ergebnissen. Die diesjährige Getreideernte sei im Vergleich zum katastrophalen Vorjahr besser ausgefallen, erklärte er. Allerdings lägen die bislang erzielten Preise rund zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hoffnung machten allein die Veredlungsbetriebe, die bei fortgesetzt hohen Schweinefleisch-Exporten auf bessere Ergebnisse hoffen könnten.
Allerdings sei die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest groß. Sollte sie hierzulande ausbrechen, könne das zu einem rapiden Einbruch der Exporte nach Asien führen und die Lage der ohnehin schon arg gebeutelten Schweinehalter noch weiter verschärfen, sagte Schwetje.
Fortschritte gebe es bei der Digitalisierung. Ein gutes Beispiel dafür sei „DigiSchwein“, ein digitales Frühwarn- und Entscheidungshilfesystem für die landwirtschaftliche Praxis.
