OLDENBURG - Die Landwirte müssen auch künftig mit starken Schwankungen an den Agrarmärkten leben – und Instrumente entwickeln, um damit fertig zu werden. Das wurde beim „9. Unternehmertag“ der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) in Oldenburg deutlich.
Das hohe Preisniveau 2007/2008 etwa bei Getreide habe leider „nicht so lange angehalten, wie viele Bauern sich das gewünscht hätten“, sagte LWK-Präsident Fitz Stegen. Allerdings seien einige Sparten – wie Ferkelproduktion – ohnehin nicht im Boom dabei gewesen bzw. sie seien durch steigende Kosten und sinkende Preise bedrängt worden. Generell müssten sich Landwirte neben der Produktion stärker mit den Märkten und ihren zunehmenden Preisausschlägen befassen.
Möglicherweise sollte man auch extreme Ausschläge nach oben zu dämpfen versuchen: Den aktuellen Nachfrageeinbruch bei Milchprodukten etwa sieht Stegen auch als direkte Folge der deutlichen Preissteigerungen zuvor.
Landwirte müssten bei der Vermarktung in volatilen Märkten möglicherweise sogar entgegen Expertenmeinungen handeln, um beste Preise zu erzielen, meinte LWK-Berater Dr. Mathias Schindler. Es sei ratsam, einen Teil des Absatzes mit Termin-Instrumenten preislich abzusichern, auch um jederzeit die Liquidität des Betriebes zu gewährleisten. Dabei sollte mit Partnern – wie Händlern – kooperiert werden, weil der einzelne Landwirt kaum an den Terminbörsen tätig werden könne.
Professor Dr. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agrarpolitik und Marktforschung der Universität Gießen, sieht die Nachfrage nach Agrarprodukten im langfristigen Aufwärtstrend. Dieser werde durch extreme kurzfristige Schwankungen überlagert, durch die z.B. Verknappungen und Spekulation ausgelöst bzw. verstärkt würden. Für den einzelnen Landwirt gebe es angesichts dieses Szenarios „kein Patentrezept“. Er müsse zunehmend „Entscheidungen für sich treffen und hinterher feststellen, ob sie richtig waren“.
Schmitz warnte vor zunehmenden Auflagen für die Betriebe, etwa bei Pflanzenschutz, Dünger und Gentechnik. Sie könnten sich für die Betriebe als „weitaus schwerwiegender“ erweisen als die Schwankungen an den Märkten. „Wir müssen intensiv produzieren können“, betonte Schmitz. In der Niedersachsen entwickele sich die Agrarwirtschaft „ausgesprochen positiv“, meinte der Professor. Das Land habe sich mit starken Standbeinen etwa in den Bereichen Schweine und Kartoffeln auch schon länger mit schwankenden Märkten befasst als andere.
Der Vorsprung der regionalen Veredelungswirtschaft wachse sogar noch, meinte LWK-Fachmann Schindler. Die Branche wachse dort, wo sie bereits stark sei, aktuell etwa im Emsland im Geflügelbereich. Im Schweinesektor müsse man aufpassen, dass gegenüber den Niederlanden und Dänemark nicht der Anschluss verpasst werde.
Harald Lesch, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems, die den Unternehmertag förderte, betonte die Bedeutung der Agrarbranche für die Region. Man werde deshalb künftig auch auf der Grünen Woche in Berlin ausstellen.
