OLDENBURG - OLDENBURG - Wenn die Oldenburg-Kutsche in Fahrt kommt, ist sie nicht zu halten. Das zeigte sich 1999 beim Bundestagsumzug von Bonn nach Berlin, und das bewies das Gefährt seitdem bei Fahrten in viele Orte Deutschlands. Nun aber steht der Kutsche die härteste Belastungsprobe bevor: Im September geht’s per Schiff über den Atlantik nach New York, wo am 16. September die 49. Steubenparade stattfindet (die NWZ berichtete), und 80 Oldenburger machen mit.
Für die Delegation (Mitglieder des Freundeskreises der Kutsche, des Jagdhornbläserkorps Hubertus und des Shanty-Chors) ist der zweieinhalb Kilometer lange Bummel entlang der Wolkenkratzer an der Fifth Avenue aber nicht die einzige Chance, jenseits des großen Teiches Werbung für Oldenburg zu treiben. New-York-Kenner Dr. Wolfgang Grams (Auswanderer-Projekt Routes to the Roots) hat während der deutsch-amerikanischen Steuben-Woche auch die Teilnahme am Gottesdienst in der St. Patrick’s Cathedral organisiert, dazu einen Empfang bei New Yorks Bürgermeister Michael R. Bloomberg am South Street Seaport sowie Besuche des deutsch-amerikanischen Volksfestes im Central Park und des plattdüütschen Vereens New York am Franklin Square in Brooklyn.
„Die Kutsche wird ein reisendes Kulturprojekt“, hat Grams längst erkannt, „und sie wird an sechster Stelle in der Parade-Abfolge kommen und damit einen markanten Punkt setzen.“ Rund 5000 Teilnehmer und Hunderttausende an den Straßenrändern werden zu der Steubenparade, die traditionell von berittenen Polizisten und Feuerwehrleuten angeführt wird, insgesamt erwartet.
Für Horst Milde, Landtagspräsident a.D. und Mitglied des Kutschen-Freunde, ist das Projekt „eine große idealistische Tat zugunsten der Werbung für die Stadt und ihre Umgebung“. Jeder Teilnehmer berappt 1200 Euro für die Fahrt, dazu kommen alle Nebenausgaben. Die Stadt zahlt nichts. „Wir hoffen noch, Sponsoren für die Überführung der Kutsche zu finden“, sagt Kutschen-Chef Helmut Fokkena. Die wird übrigens drei Monate fern von Oldenburg sein, „so lange ist sie unterwegs“, weiß Besitzerin Eva Claußen. Ihre Pferde aber bleiben im heimischen Stall – die US-Quarantänebestimmungen sind selbst für Oldenburg-Werber unüberwindbar.
