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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Unbequeme Wahrheiten zur Rente

04.04.2019

Oldenburg Mit sehr deutlichen und zum Teil provokanten Aussagen hat am Dienstagabend der Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen die mehr als 200 Zuhörer im Alten Landtag Oldenburg in seinen Bann gezogen. Das Thema lautete: „Zur Akzeptanz der Generationenverträge: unbequeme Wahrheiten zum Thema Rente“. Der Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg referierte auf Einladung der Wirtschaftlichen Vereinigung Oldenburg „Der kleine Kreis“.

Der Ökonom hielt der alternden Gesellschaft den Spiegel vor. Vor allem seine Generation, die geburtenstarken 1950er- und 1960er-Jahrgänge seien es, die zukünftig eine große Belastung für die Rentenkasse darstellten. Nicht nur, weil die Lebenserwartung steige und damit auch die Zahl der Pflegefälle, sondern auch, weil besagte Jahrgänge zu wenig Kinder gezeugt hätten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werde sich die Zahl der Rentner in Deutschland bis 2039 verdoppelt haben, während die Zahl der Erwerbstätigen immer weiter sinke. Diese Entwicklung stehe fest, so Raffelhüschen. Die wenigeren Beitragszahler müssten zukünftig „ganz schön bluten“, um der wachsenden Gruppe von Rentnern ihre Rente zu finanzieren. Ab 2050 verschärfe sich dies noch.

Scharfe Kritik übte er an der Rente mit 63 der SPD-Parteivorsitzenden Andrea Nahles. Sie hätte dabei nicht bedacht, dass jene, die davon profitierten, in der Regel auch zwei Jahre länger Rente beziehen. Und wer kommt denn wirklich in den Genuss der abschlagsfreien Rente ab 63, vorausgesetzt man geht bis 2030 in Rente, hat 45 Jahre eingezahlt und weniger als fünf Jahre Arbeitslosigkeit vorzuweisen? Laut Raffelhüschen unter anderem die „Edelfacharbeiter“ z.B. Beispiel aus der Autobranche, die mit einer beträchtlichen betrieblichen Altersvorsorge eh schon zu den reichsten Rentnern gehörten.

Die von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) propagierte Grundrente nannte der Wissenschaftler absurd. „Alter ist kein Verdienst.“ Arme Ältere dürften gegenüber armen Jüngeren nicht bevorteilt werden. Zumal es eine Grundsicherung schon immer gegeben habe. Die Aufstockung der Rente auf 900 Euro betreffe vier Millionen Menschen (auch potenziell „die Zahnarztgattin“), doch nur 500 000 davon seien auch bedürftig.

Nach Meinung von Raffelhüschen sei das vorherige Rentensystem generationengerecht gewesen, da es auf dem Leistungsprinzip basierte. Dieses Leistungs- und Gerechtigkeitsprinzip werde durch die Rentenpolitik von Nahles und Heil außer Kraft gesetzt. Jede Generation habe bislang rund 20 Prozent ihres Einkommens für die Alten aufgebracht. Höhere Rentenbeiträge seien vor diesem Hintergrund schwer zu vermitteln.

Das Thema Altersarmut sei verzerrt dargestellt, so der Finanzwissenschaftler. 97 Prozent der Rentner seien nach derzeitigen Berechnungen davon nicht betroffen. Ausdrücklich lobte der Finanzwissenschaftler die Rente mit 67 von Franz Müntefering (SPD). Wer länger lebt, sollte auch länger arbeiten, so Raffelhüschen. Das sei generationengerecht. Das Problem sei nicht die Altersarmut, sondern die Sicherung des Lebensstandards. Dafür sei es insbesondere zukünftig nötig, neben der gesetzlichen Rente einen zusätzlichen finanziellen Puffer für die Altersversorgung aufzubauen. 5 bis 7 Prozent des persönlichen Bruttoeinkommens sollte man sparen, um ein Nettorentenniveau von 70 Prozent zu halten. Die finanziellen Anlagen sollten dafür möglichst breitgefächert sein. Stichwort: Diversifikation. Das habe ihm sein Großvater schon vermittelt: „Lege nicht alle Eier in einen Korb.“

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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