OLDENBURG - Diese Party haben sich die Jugendlichen verdient. In den vergangenen Tagen führten sie Bewerbungsgespräche und gingen dabei einen ungewöhnlichen Weg. Ohne vorheriges Anschreiben und Zeugnisvorlage präsentierten sie sich möglichen Arbeitgebern im direkten Gespräch. „Speed Dating“ nennt sich die Aktion, mit der das Oldenburger Jobcenter derzeit versucht, jugendlichen Hartz-IV-Empfängern auf unkonventionelle Art einen Berufseinstieg zu vermitteln.
Auf der Projektparty feierten die 80 Teilnehmer im „Cadillac“ ausgelassen und waren stolz auf sich. Viele hatten vor der ungewohnten Gesprächssituation ihren ganzen Mut zusammengenommen, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Mehrere Bewerber trafen sich jeweils mit mehreren Arbeitgebern zu einem Termin und wechselten nach einer gewissen Zeit den Gesprächspartner.
„Sie haben alle Ihre Sache sehr gut gemacht, egal, was dabei herauskommt“, lobte Michael Schlesinger. Zudem dankte der stellvertretende Arge-Geschäftsführer den Betrieben sowie den beteiligten Bildungsträgern.
Ein positives Fazit zog auch der 19-jährige Tien. Er sah im „Speed Dating“ eine große Chance für seine Zukunft: „Es ist gut, dass man sich einfach mal präsentieren kann, ohne Zeugnisse. Zudem waren auch die Betriebe sehr gut vorbereitet“, resümierte er. Gerne würde er in einer Druckerei lernen und hofft auf einen Praktikumsplatz. Die Atmosphäre in den Gesprächen empfand er als locker. Den Abend im „Cadillac“, den die Jugendlichen selbst organisiert hatten, nutzte Tien wie die anderen Teilnehmer auch zum Erfahrungsaustausch.
Zahlreiche Nachwuchsmusiker sorgten von der Bühne aus für Stimmung. „Ich habe gerne mitgemacht und natürlich sofort zugesagt, da ich viele Leute hier persönlich kenne“, erzählte Dennis Delger, der als „Beatboxer“ Schlagzeuggeräusche mit seiner Stimme imitierte.
Auf Zusagen der Betriebe hoffen nun auch die Teilnehmer des „Speed Datings“. Iris Mairose vom Jobcenter ist zuversichtlich. „Wichtig war uns auch, die jungen Leute zu ermutigen. Sie merken, dass sie ernst genommen werden.“
