OLDENBURG - Es bleiben den Personalchefs meist nur einige Minuten, um zu sortieren. Frei nach den Brüdern Grimm: Die besseren Bewerbungen ins Töpfchen, die schlechteren in den Papierkorb. Gute Chancen, diese Anfangshürde zu nehmen, haben oft nur Aspiranten mit einer einwandfreien Bewerbungsmappe – sie vermittelt als erste Arbeitsprobe nicht selten den entscheidenden Eindruck.

Alexander Tillmanns will in dieser Hinsicht nichts dem Zufall überlassen. Beim Bewerbungsmappencheck der Bundesagentur für Arbeit in Oldenburg erhofft er sich den letzten Schliff für seine Unterlagen. Mit spitzen Fingern zieht er Anschreiben, Lebenslauf und Anlagen aus einem Umschlag, um sie Anke Termath vorzulegen.

Mit Hobbys für sich werben

Die Berufsberaterin überprüft Tillmanns Bewerbung mit geschultem Blick – der 19-Jährige hat wenig falsch gemacht: Die Höflichkeitsform gehöre großgeschrieben, verbessert Termath; ein einheitlicher Schrifttypus in Anschreiben und Vita runde das Gesamtbild ab – „eine ordentliche, ansprechende Form ist das A und O“, erklärt sie.

Aber sonst? Nichts zu beanstanden: Tillmanns Bewerbungsfoto ist keine Urlaubsaufnahme und kommt nicht aus dem Automaten, sondern vom Fotografen; er wirkt seriös und sympathisch. Das Anschreiben ist prägnant – „Schriebe in Romanlänge landen sofort auf dem Absagenstapel“, weiß Termath.


Lediglich bei den Hobbys könne er ein wenig ausführlicher werden, fällt Termath auf. Der Abiturient erzählt, er tanze seit Jahren leidenschaftlich in der Formation. Solche Informationen müsse er für sich nutzen, rät die Expertin – eine Bewerbung sei schließlich nichts anderes als Eigenwerbung und Formationstanz bedeute in der Sprache des Personalers Teamgeist, in langjähriger Vereinstätigkeit könne er Beständigkeit erkennen. Genauso sei es mit Ehrenämtern und Nebenjobs.

„Natürlich sind Noten wichtig“, meint die Berufsberaterin, aber vor allen Dingen zähle Authenzität: Keine Floskeln, keine 08/15-Begründungen, sondern eine individuelle Motivation zum Ausbildungsberuf, zum Studium oder Praktikum. Wer seine Bewerbung vom Vater schreiben lasse, fliege schnell auf.

Genauso wichtig sei Firmen heutzutage das Arbeits- und Sozialverhalten und damit die Kopfnoten der Kandidaten. Auch die Anzahl der unentschuldigten Fehlstunden sei für viele Personaler ein Ausschlusskriterium, erklärt Termath. „Manche Schüler denken: eine ist keine – das sehen viele Firmen anders.“ Manchen mangele es einfach an der „richtigen Einstellung zur Einstellung“.

Ansprüche an Abiturienten

Alexander Tillmanns nicht – er hat sich sichtlich Mühe gegeben. Seine Bewerbung ist glaubhaft, ein roter Faden zieht sich durch Anschreiben, Lebenslauf und Anhang: Gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern, Besuch des Technischen Gymnasiums an der Straßburger Straße, passende Praktika, jetzt die Bewerbung bei einem Windkraftunternehmen in Aurich. Der junge Oldenburger hat sich für ein duales Studium entschieden, Ausbildung und Uni parallel. „Ein hartes Programm“, wie Termath versichert – doch Tillmanns ist sich sicher. Ein Argument ist für ihn, wie für viele andere Abiturienten auf Lehrstellensuche: die Ausbildungsvergütung – gerade heute, da Studieren für viele Luxus ist.

„Besonders von Abiturienten wird eine fehlerfreie, aussagekräftige Bewerbung erwartet“, nickt Termath und gibt dem Zivildienstleistenden seine Unterlagen zurück. Tillmanns schiebt die Zettel wieder in den Umschlag – er hat alles Mögliche dafür getan, dass sie auf dem richtigen Stapel landen.