OLDENBURG - Als Austauschschüler hat sich Sven Dinklage einen Abenteuervirus eingefangen. Damals besuchte er die Oberstufe der Cäcilienschule und ging für ein Jahr in die USA. Seither hatte er den Traum, beruflich auf internationalem Parkett Karriere zu machen. Inzwischen lebt er mit Frau und Kind in Brasilien und arbeitet als Managementtrainer und Headhunter in der Nähe von São Paulo. Er spricht Englisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Derzeit besucht er seine Eltern, die inzwischen von Wechloy nach Bad Zwischenahn gezogen sind.
Schon sein Betriebswirtschafts-Studium hat der 41-Jährige auf dieses Ziel hin ausgerichtet: Grundstudium in Würzburg, schon während dieser Zeit ging er für ein Jahr in den Süden Brasiliens. Verliebte sich in das Land und die Menschen. Er machte dort ein Praktikum bei einem Holz-Exportunternehmen. Sein Studium setzte er dann in England (Oxford European School of Management), Spanien und an einer der Grand Écoles in Paris fort.
Nur ein Hinflug-Ticket
Nach Deutschland zurückzukehren und sich hier einen Job bei einer der international arbeitenden Firmen zu suchen, das wollte er nicht. Mit einem Hinflug-Ticket ging es wieder nach Südamerika. „Einen Vertrag hatte ich nicht in der Tasche“, erinnert er sich. Bei dem multinational arbeitenden deutschen Unternehmen Robert Bosch in Campinas, etwa anderthalb Autostunden nordwestlich von der Metropole São Paulo, fand er eine Stelle, betreute internationale Projekte, vor allem in den Bereichen Vertrieb und Marketing.
In Campinas lebt er auch heute noch mit dem achtjährigen Sohn Felix und seiner Frau, deren Vorfahren ebenfalls aus Deutschland stammen. 2007 hat er sich selbstständig gemacht. Mit seinem interkulturellen Kenntnissen trainiert er Manager. Etwa solche, die aus Deutschland mit ihren Vorstellungen von Pünktlichkeit und Ordnungsliebe dort ankommen. Er sorgt aber auch für gesellschaftliche Kontakte und hilft den Familien beim Einleben.
„Brasilianische Manager sind derzeit aufgrund ihrer Flexibilität sehr gefragt“, berichtet Dinklage. In wirtschaftlichen Veränderungsprozessen seien sie es, die in unkalkulierbaren Situationen gut zurechtkämen. Ihnen hilft er, sich etwa auf die französische oder deutsche Mentalität einzustellen, wenn sie nach Berlin, München oder Frankfurt entsandt werden.
Außerdem ist Dinklage Co-Autor eines Buches mit dem Titel „Willkommen in Brasilien“, das von der Handelskammer an deutsche Unternehmen verteilt wird.
Sohn in deutscher Schule
Derzeit absolviert er noch eine Coaching-Ausbildung, da er gemeinsam mit seinen französischen Partnern von der Unternehmensberatung RH Partners noch enger kooperieren möchte.
Auch wenn er gerade in diesen Tagen hier in Norddeutschland seine Wurzeln spürt, so weiß er doch auch, was er an Brasilien schätzt: den ungeheuren Optimismus und die Lebensfreude der Menschen dort, das Wetter und die Strände. „Mein Sohn“, so sagt er, „besucht die alte, deutsche Schule, aber er ist Brasilianer.“
