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Barghorn Gewinnt Nwz-Preis „pia“ Das sind die besten Ausbildungsideen im Nordwesten


Groß war die Freude am Mittwoch im Oldenburger Kino Casablanca, als die  Sieger  beim diesjährigen „Preis für Innovative Ausbildung“ (PIA) der Ð  geehrt wurden. Der 1. Preis ging an das Handwerksunternehmen  Barghorn aus Brake (Mitte: Firmenchef Gunnar Barghorn), den 2. Preis nahm Ralf Sieverding (Friedrich Graepel AG/Löningen) entgegen. Der 3. Preis ging an die BTC AG (Oldenburg), wo der blinde Michel Behrends (links) trotz seiner Beeinträchtigung eine Ausbildung machen kann.
Torsten von Reeken

Groß war die Freude am Mittwoch im Oldenburger Kino Casablanca, als die Sieger beim diesjährigen „Preis für Innovative Ausbildung“ (PIA) der NWZ geehrt wurden. Der 1. Preis ging an das Handwerksunternehmen Barghorn aus Brake (Mitte: Firmenchef Gunnar Barghorn), den 2. Preis nahm Ralf Sieverding (Friedrich Graepel AG/Löningen) entgegen. Der 3. Preis ging an die BTC AG (Oldenburg), wo der blinde Michel Behrends (links) trotz seiner Beeinträchtigung eine Ausbildung machen kann.

Torsten von Reeken

Oldenburg - Großes Kino für kreative Ausbildungsideen aus dem Nordwesten: Dort, wo sonst Filmkunst und Schauspielstars die Leinwand prägen, im Casablanca-Programmkino in Oldenburg, standen am Mittwoch bei der Abschlussfeier der zehnten Runde des Preises für Innovative Ausbildung (PIA) der NWZ, Unternehmen aus dem Nordwesten, die in Sachen Ausbildung mehr tun als üblich, im Mittelpunkt.

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PIA habe zum einen das Ziel „innovative Ausbildungsideen zu würdigen“, sagte Ulrich Schönborn, kommissarischer Chefredakteur der NWZ in seiner Begrüßung zu den rund 100 Gästen, die es sich stilecht mit Popcorn in den roten Kinosesseln gemütlich gemacht hatten. Zugleich solle der Wettbewerb dabei helfen „guten Ausbildungsnachwuchs in die Region zu locken“.

31 Bewerbungen gingen in diesem Jahr bei der Wirtschaftsredaktion ein. Erfreulich sei, dass sie aus einer Vielzahl von Branchen und dem kompletten Oldenburger Land stammten, betonte Schönborn, von der Wesermarsch bis zum Kreis Vechta, vom westlichsten Zipfel des Ammerlandes bis zum östlichsten Zipfel des Landkreises Oldenburg.

„Wir hatten wieder viele sehr gute Bewerbungen“, sagte Rüdiger zu Klampen, Leiter der NWZ-Wirtschaftsredaktion und Moderator der Abschlussfeier. Das Feld habe dicht beieinander gelegen. Am Ende konnte es aber nur drei Preisträger geben. Und dies waren nach Ansicht der PIA-Jury das Stahl-, Maschinen- und Metallbauunternehmen Barghorn aus Brake auf dem ersten Rang, der Lochbleche-Spezialist Graepel aus Löningen auf Platz zwei und das Oldenburger IT-Consulting-Unternehmen BTC auf Rang drei. Die drei Preisträger erhielten neben einer Urkunde eine hochwertige Glasplastik des Künstlers Wolfgang Hinrichs (Sandhatten) sowie ein Anzeigenguthaben.

31 PIA-Bewerbungen

Kombi Fracht aus Groß IppenerRay Gruppe aus HoldorfBTC AG aus OldenburgAWO Weser-Ems aus Oldenburg Die Bäko Weser-Ems-Mitte aus Oldenburg Kinnasand aus WesterstedeSemcoglas aus WesterstedeStallkamp aus DinklageDeutsche Rentenversicherung Oldenburg-BremenAOK Region OldenburgArchitekturbüro Wöste aus OldenburgAlte Oldenburger Krankenversicherung aus VechtaAugust Brötje Handel aus Rastede LUFA Nord-West aus Oldenburg Leoni Special Cables aus Friesoythe Barghorn aus BrakeRhein-Umschlag aus Oldenburg Graepel aus Löningen Poco aus Oldenburg Baustoffzentrale Nord BZN in Bad Zwischenahn Baumschule zu Jeddeloh aus EdewechtHüppe aus Bad Zwischenahn Amcon aus CloppenburgAMF Bruns aus ApenEWE Tel aus Oldenburg McDonald’s aus Oldenburg Nachwuchsprogramm Nordweste von Pia Gerdes und Martina Krüger mit den Firmen Papier- und Kartonfabrik Varel, Agrarfrost, EWE Netz und Open Knowledge Brillux aus OldenburgWaskönig + Walter aus Ramsloh Volksbank aus Oldenburg Vierol AG aus Oldenburg

„PIA soll Signale in der Region setzen“, sagte Harold Grönke, Geschäftsführer der NWZ-Mediengruppe und Jurymitglied, in seiner Laudatio für Barghorn. Und das Handwerksunternehmen aus der Wesermarsch biete genau solch eine „tolle Signalwirkung, nämlich die, dass „in allen Unternehmen etwas geht, was einen einzigartig macht“. Denn bei Barghorn bewerben sich nicht junge Leute um einen Ausbildungsplatz, sondern das Unternehmen selbst bewirbt sich bei interessierten Jugendlichen.

Ebenfalls einen ungewöhnlichen Weg geht Graepel. Das Löninger Unternehmen „bringt die Idee der dualen Ausbildung in die USA“, erläuterte Jurymitglied Stefan Bünting, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der Oldenburgischen IHK.

„Menschen mit Beeinträchtigungen haben große Potenziale“, sagte Jurymitglied Anke Evers, Leiterin des Fachbereichs Aus- und Fortbildung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Und das mache sie auch für Unternehmen interessant. Ein Unternehmen, das vorbildlich auf Menschen mit Handicaps setze, sei BTC. Das Oldenburger IT-Consulting-Unternehmen beschäftigt etwa einen blinden Azubi, der programmiert.

Wie vielfältig die Karriereideen junger Leute sind, wurde bei einer Podiumsdiskussion mit Schülern des Alten Gymnasiums Oldenburg deutlich. Lisa Cordes etwa strebt ein duales Studium an, weil sie nicht nur studieren, sondern auch ins Berufsleben reinschauen will. Oliver Dargatz erachtet es als sinnvoll, vor dem Studium eine Ausbildung zu absolvieren. Maikel Bystrov wiederum findet nicht nur die Arbeitsweise von Start-ups spannend, sondern hat auch selbst schon in jungen Jahren ein Mode-Unternehmen gegründet.

Das sind die Gewinner 2019

1. Preis an Firma Barghorn (von links): NWZ-Geschäftsführer Harold Grönke (Laudator), Gunnar Barghorn, Silvia Harms, Nico Westphal und Sebastian Neumann Torsten von Reeken

1. Preis: Barghorn bewirbt sich bei der Jugend

ass Jugendliche sich um einen Ausbildungsplatz bewerben müssen – das war einmal. So sieht man es zumindest bei Barghorn aus Brake. Das Handwerksunternehmen bewirbt sich selbst bei der Jugend und habe damit „konsequent quer gedacht“, sagte Harold Grönke, Geschäftsführer der NWZ-Mediengruppe, in seiner Laudatio. Und für diesen noch recht ungewöhnlichen Ansatz wurde Barghorn mit dem 1. Platz beim Preis für Innovative Ausbildung (PIA) ausgezeichnet.

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Konkret läuft das etwa so ab: Barghorn erfährt über einen Hinweis oder einen direkten Kontakt davon, dass sich ein Jugendlicher für eine Ausbildung in dem Metall-Unternehmen interessiert. Damit kann dann eine Bewerbung von Seiten Barghorns ausgelöst werden, speziell auf den Jugendlichen zugeschnitten, wie Geschäftsführer Gunnar Barghorn erläuterte.

Zu der Bewerbung des Unternehmens gehören alle gängigen Elemente: Anschreiben, Bewerbungsfoto (Gebäude, Belegschaft usw) und Lebenslauf bis hin zu Zeugnissen (von Mitarbeitern ausgestellt). Zudem gibt es weitere Infos zum Betrieb und zum Leben in der Wesermarsch.

2. Preis für Friedrich Graepel AG (von links): Laudator Stefan Bünting (IHK) mit Ralf Sieverding, Malte Drees und Phillipp Weiser Torsten von Reeken

2. Preis: Graepel exportiert Ausbildung in die USA

Dass die duale Berufsausbildung aus Deutschland auch im Ausland als gute Sache gilt, ist weithin bekannt. Dass es jedoch erste deutsche Unternehmen gibt, die dieses Erfolgsformat auch Firmenstandorten im Ausland einführen – dies ist noch neu und innovativ, wie Laudator Stefan Bünting, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung bei der Oldenburgischen IHK, betonte. Die Friedrich Graepel AG aus Löningen wurde dafür beim Preis für dafür bei „PIA“ mit dem 2. Preis ausgezeichnet.

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Graepel, ein Spezialist für besondere Bleche etwa für Lastwagen oder Agrarmaschinen, hatte vor Jahren eine Niederlassung in den USA gegründet. Der örtliche Manager Mark Zumdohme kümmerte sich zunächst um den Vertrieb. Doch dann ging es bei der US-Tochter zunehmend um die eigene Fertigung vor Ort, am Standort in Omaha.

Seit kurzem wird nun auch an dem amerikanischen Standort eine duale Ausbildung nach deutschen Vorbild angeboten. Der Abschluss wird auch in Deutschland anerkannt. Zudem wurde ein internationaler Azubi-Austausch angeschoben.

3. Preis für die BTC AG: Rüdiger Theobald, Michel Behrends, Alena Oltmanns und Laudatorin Anke Evers (Landwirtschaftskammer) Torsten von Reeken

3. Preis: BTC setzt auf Menschen mit Handicap

Das Oldenburger Informationstechnik-Unternehmen BTC erregt seit Jahren Aufmerksamkeit, weil es gezielt auf Vielfalt im Unternehmen setzt und auch Menschen mit Handicap eine Chance gibt – auch in der Berufsausbildung. BTC beweise eindrucksvoll, „dass Inklusion möglich ist“, sagte Anke Evers, Leiterin des Fachbereichs Aus- und Fortbildung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in ihrer Laudatio.

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Und so startete BTC 2016 mit der Ausbildung einer Asperger-Autistin zur Fachinformatikerin Systemintegration. 2017 folgten ein Auszubildender im Rollstuhl sowie zwei Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea, welche ebenfalls eine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration absolvieren. 2018 begannen zwei weitere Asperger-Autisten, ein Azubi mit einer Gehbeeinträchtigung sowie ein blinder Azubi. Dieser – Michel Behrends – stand im Mittelpunkt der PIA-Bewerbung. Sein Einstieg bei BTC erfolgte über ein Praktikum. Heute programmiert Behrends mit speziellen Hilfstechniken Anwendungen, ohne sehen zu können. Das dies bei BTC möglich gemacht wurde, bedachte die Jury mit Platz drei.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Wirtschaftsredaktion
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