Oldenburg/Berlin - Ein vom Verein „Deutsches Tierschutzbüro“ in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem klaren Ergebnis, dass auf den im September bis Oktober 2018 entstandenen Aufnahmen aus dem Schlachthof Oldenburg regelmäßige Verstöße gegen tierschutzrechtliche und strafrechtliche Normen zu sehen sind.

Das von Dr. Karl Fikuart, ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses für Tierschutz der Bundestierärztekammer, erstellte Gutachten hält fest, dass in allen Bereichen des Schlachtvorgangs – Zutrieb, Betäubung und Entblutung – Fälle von Tierquälerei zu sehen sind. Das Gutachten beruft sich dabei auf Videomaterial, das im November vergangenen Jahres vom „Deutschen Tierschutzbüro“ veröffentlicht wurde. Dem Gutachten folgend zeigt das Material eindeutige und regelmäßige Zuwiderhandlungen, sowohl gegen das Tierschutzgesetz, die Tierschutz-Schlachtverordnung, als auch Paragraf 13 des Strafgesetzbuches. Die Vergehen gehen sowohl auf die Mitarbeiter des Schlachthofes, als auch auf die anwesenden Mitarbeiter der Veterinärbehörde zurück.

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Das „Deutsche Tierschutzbüro“ sieht das Gutachten als finalen Beweis für die Tierquälerei im Schlachthof und das extreme und strafrechtlich relevante Fehlverhalten der Verantwortlichen und Mitarbeiter des Schlachthofs, sowie der zuständigen Veterinärbehörden. Am 22. März ist das Gutachten auch bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Oldenburg eingegangen. „Wir erwarten jetzt endlich durchgreifende Konsequenzen ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen“, so Jan Peifer, der Vorstandsvorsitzende des Vereins.

Im November 2018 hatte die Organisation Bildmaterial veröffentlicht, das Tierquälerei im Schlachthof Oldenburg dokumentiert. Die Aufnahmen sind mit versteckten Kameras entstanden. Kurz nach der Veröffentlichung hatte das Schlachthof-Unternehmen verkündet, den Betrieb ab sofort ruhen zu lassen und reagierte damit auf den enormen öffentlichen Druck, der durch die Veröffentlichung des Bildmaterials entstanden war, so der Verein. Für zusätzliches Aufsehen habe gesorgt, dass auf dem Material auch Amtsveterinäre zu sehen gewesen seien, was die Stadt auch kurz nach der Veröffentlichung bestätigte. Der Schlachthof soll nach heutigem Stand im Laufe des Jahres 2019 in modernisierter Form wieder in Betrieb genommen werden.


Eine sehr enge Kooperation des Schlachthofs bestand seit 2017 mit der Firma Böseler Goldschmaus, die laut unternehmensinternen Informationen Mitinhaber und -betreiber der Anlage ist, so der Verein. Die Meldung von Goldschmaus, den Schlachthof nicht mehr mit Schlachtungen zu beauftragen, habe vermutlich zur Stilllegung des Betriebs geführt. Viele Handelspartner von Goldschmaus, u.a. Ikea, hätten die Zusammenarbeit und Lieferbeziehungen beendet.