OLDENBURG - OLDENBURG - „Man muss eine sehr niedrige Schmerzgrenze haben, seine Angst unterdrücken können und sehr motiviert sein.“ Oliver Krüger weiß, wovon er spricht. Neun Jahre lang schleppte er in Berlin Klaviere, seit sechs Jahren schleppt er sie in Oldenburg. 1999 machte er sich mit seiner Firma „Krüger’s Piano-Trans“ an der Wilhelmshavener Heerstraße selbstständig.
320 Kilogramm kann so ein Klavier wiegen, Flügel, wie der Bösendorfer Imperial, sind sogar bis zu 600 Kilo schwer und 2,90 Meter lang. Getragen werden sie von zwei Leuten – eine Aufgabe, die nicht für jeden geeignet ist: „Das ist ein Herzjob“, sagt Krüger: „Man muss körperlich fit und hart gesotten sein.“ Zwei seiner vier Klaviertransporteure haben wie ihr 38-Jähriger Chef in Berlin bereits Transporte übernommen, die anderen beiden wurden angelernt.
Krüger bedauert es, dass seine Schweiß treibende Arbeit nicht als eigener Beruf anerkannt ist, schließlich bräuchten Klaviertransporteure vielfältige Kenntnisse: „Stellen Sie sich vor, Sie haben ein 20 000-Euro-Klavier und vertrauen es Hiwis an. Wir aber sind keine Hiwis, sondern Vollprofis“, sagt er überzeugt.
Seine Leute bereiten die Wohnungen so vor, dass das Klavier durchpasst, sie klären die Kunden auf, demontieren das Instrument, wenn nötig – und transportieren es anschließend möglichst schonend durch engste Treppenhäuser. „Mein Wunsch wäre es, daraus mal einen Lehrberuf zu machen“, sagt Krüger.
Er selbst lernte sein Handwerk durch neun Jahre Praxis in Berlin. Dann setzte er sich in mehreren norddeutschen Städten mit potenziellen Auftraggebern in Verbindung. Krügers Wahl fiel auf Oldenburg. Am ersten September 1999 machte er sich selbstständig. „Bei Piano Rosenkranz in der Werkstatt hat’s angefangen“, berichtet er. Mit einem Angestellten transportierte er die Tasteninstrumente unter anderem für die Firma, das Staatstheater und private Kunden.
Mittlerweile wohnen seine Auftraggeber in Hamburg und Bremen, in Ostfriesland und in Osnabrück. Auch Hersteller gehören zu den Referenzkunden, darunter Steinway & Sons, Wendl & Lung und Schimmel. Das Unternehmen transportiert auch die Flügel für deutschlandweite Konzertreihen und Veranstaltungen wie das Musikfest Bremen. Ansonsten seien die Kunden sehr unterschiedlich. „Von ganz arm bis ganz reich“, hat Krüger festgestellt. Aufträge kämen mittlerweile aus ganz Deutschland, in Hamburg sei der Zuwachs aber besonders stark. Wir überlegen, dort einen zweiten Standort aufzumachen.“
Vermehrt werden auch im Internet ersteigerte Klaviere zum Käufer gebracht. Sieben bis neuen Transporte fahre jeder der beiden Firmen-LKW täglich. Auch ein Tandem-Hänger steht zur Verfügung. Für einen schonenden Transport seien die Fahrzeuge luftgefedert, geheizt und die Wände mit Vlies bezogen. Wichtig ist Krüger die Kooperation mit anderen Transportunternehmen: „Wir arbeiten mit ganz vielen Firmen zusammen.“ Vor allem bei Transporten ins Ausland kommen die Partner ins Spiel.
Über den Erfolg seines Unternehmens ist Krüger selbst überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell wächst.“ Als weiteres Geschäftsfeld baut er jetzt eine Umzugsfirma auf.
