OLDENBURG - Es hat das Zeug zum Wort des Jahres: Der Begriff Fachkräftemangel macht seit geraumer Zeit die Runde, wenn es um die Zukunft der Unternehmen geht. Die Arbeitsagentur begegnet dem seit einigen Jahren mit dem Programm „WeGebAU“. Die etwas holprige Abkürzung steht für Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen.
Dabei geht es vor allem um Menschen, die längere Zeit als ungelernte Arbeitnehmer in Unternehmen beschäftigt sind. In diesen Angestellten sieht die Arbeitsagentur gleichzeitig Risiko und Potenzial. „Bei diesen Menschen ist die Wahrscheinlichkeit, einmal langfristig arbeitslos zu werden, besonders groß“, erklärt Qualifizierungsberater Matthias Jantos. Ziel sei es daher, durch Umschulungen und Qualifizierungsmaßnahmen einen Berufsabschluss zu ermöglichen.
Als eines von vielen positiven Beispielen stellte die Arbeitsagentur nun die Firma PHL Transport-Logistik mit Stammsitz in Wardenburg und einer Niederlassung in Oldenburg vor. Zwei Mitarbeiter absolvierten hier erfolgreich die Umschulung zum Berufskraftfahrer, zwei weitere werden seit August im Logistikbereich qualifiziert.
Frank Brummerloh ist einer der Kraftfahrer. „In allen Stellenanzeigen wurde nicht nach ungelernten Kraftfahrern, sondern nach Berufskraftfahrern gesucht“, hatte der 43-Jährige festgestellt. Die nachträgliche Ausbildung war deshalb ein wichtiger Schritt für seine Zukunft. Inzwischen ist er bei PHL Schichtleiter.
Die 27-jährige Bettina Preuß ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat danach aber lange im Lager gearbeitet und wird nun zur Fachkraft für Lagerlogistik ausgebildet.
Die Arbeitsagentur berät Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nachträglich qualifizieren wollen, übernimmt die Lehrgangskosten und zahlt 50 Prozent des Arbeitslohns. Kosten, die sich in den Augen von Jantos rechnen, „weil wir so die Wahrscheinlichkeit für Arbeitslosigkeit reduzieren“.
2010 gab es im Bereich der Oldenburger Arbeitsagentur (also auch im Umland) 400 Förderungen durch das Programm mit Kosten von rund 2,5 Millionen Euro. Durch die Vorerfahrungen der Geförderten in den Unternehmen halten fast alle durch. Jantos: „Die Abbruchquote ist extrem gering“. Von dem Programm ist längst auch der zunächst skeptische PHL-Geschäftsführer Jürgen Poelmeyer überzeugt: „Auf dieser Ebene sollten Ämter und Unternehmen öfter zusammenarbeiten.“
