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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Weniger EWE-Geld für Kommunen

26.04.2019

Oldenburg Im laufenden Jahr steht bei der EWE gleich ein ganzes Bündel wichtiger Weichenstellungen bevor. Das wurde bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Oldenburg deutlich. Er erwarte noch in diesem Jahr eine Entscheidung über den neuen Partner, sagte EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler. Es geht um 26 Prozent der Anteile, die zuvor von EnBW gehalten wurden. Die ersten Phasen der Suche sind angelaufen.

Zugleich dürfte der Verkauf der Türkei-Beteiligungen bevorstehen. „Das Closing“ (Fachjargon für Abschluss) stehe noch aus, berichtete Dohler.

Gemeinschaftsfirma mit Telekom in Oldenburg

Er verkündete zudem eine Standortentscheidung für ein bundesweit beachteten Projekt zum Glasfaserausbau bis zu den Haushalten an: Sitz der wohl ab dem Sommer startenden Gemeinschaftsfirma mit der Telekom, die zwei Milliarden Euro investieren werde, „soll in Oldenburg sein“, so der EWE-Chef.

Für den Geschäftsverlauf 2019 zeigte er sich zuversichtlich. Die EWE erwarte „unter Berücksichtigung der zu erwartenden speziellen Branchenbedingungen, der politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen und des fortgesetzt intensiven Wettbewerbs im Energiemarkt ein (...) um zehn bis 25 Prozent gestiegenes operatives Ebit“. Letztere Abkürzung meint den Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern.

Als Treiber der erwarteten Verbesserung nannte Dohler u.a. höhere Absatzmengen im Privatkundensegment, Wachstum mit Energiedienstleistungen und die Speicherbewirtschaftung sowie weitere Verbesserungen bei der Bremer Tochter SWB.

Der Trend in Bremen trug offenbar auch zu einem „Turn-around“ im Einzelabschluss der EWE AG für 2018 bei – mit einem Überschuss von 257,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 136,9 Millionen Euro zuvor. Auf dieser Basis werden von EWE – nun wieder aus dem operativen Geschäft statt aus der Substanz – 88 Millionen Euro ausgeschüttet, erläuterte Finanzvorstand Wolfgang Mücher am Rande.

Durchaus stolz sei man auf die Entwicklung bei den Investitionen 2018, sagte Mücher: 529,7 (500,4) Millionen Euro wurden in Infrastruktur für Strom, Gas und Telekommunikation investiert.

Stolz auf Investitionen

„Insgesamt blicken wir auf ein erwartet schwieriges, aber im Rahmen der Prognosen liegendes erfolgreiches Geschäftsjahr zurück“, fasste EWE-Chef Dohler die Entwicklung 2018 zusammen. Man agiere weiterhin unter „hohem Wettbewerbs- und Veränderungsdruck“. Dies schlage sich auch in der Bilanz nieder. 2019 werde dagegen die Umsetzung der der 2018 veröffentlichen Konzernstrategie „schrittweise wirksam“ werden. Sie sorge für „eine konzernübergreifende Steuerung“ nach Geschäftsfeldern (zum Beispiel Erneuerbare Energien/Wasser) und eine stärke Ergebnisorientierung aller Einheiten.

Die Zahlen für das zurückliegende Jahr wird man wohl gern zu den Akten legen, obwohl sie die eigenen Prognosen „weitestgehend erfüllt“ hätten, hieß es. Sie tragen dicke Minus-Vorzeichen, geprägt von Sondereinflüssen.

Das von Wind, Gasspeichern und Netzen getriebene operative Ergebnis (Ebit) ging um 22 Prozent auf 377,1 Millionen Euro zurück. „Ebenfalls erwartungsgemäß“ sei das Konzern-Periodenergebnis auf 167,3 (Vorjahr: 256,1) Millionen Euro gesunken. Hintergrund sei die „Umsetzung des Netzentgeltmodernisierungsgesetzes“ gewesen, erläuterte Finanzvorstand Mücher. Dies habe zu einer „signifikanten Reduzierung von Erlösen“ geführt. Hinzugekommen seien „regulatorische Effekte“.

Die erstmalige Anwendung neuer Bilanzierungsvorschriften für Energieversorger führte zugleich zu einem Umsatzschwund auf 5,7 (7,6) Milliarden Euro. Konkret werden nun einige wichtige Einnahmequellen – wie EEG-Umlage und Prämien für Strom-Direktvermarktung – nicht mehr im Umsatz verbucht.

Auch Anfangsinvestitionen etwa in E-Mobilität schlugen sich nieder. Die Energiewende müsse in stärkerem Maße auch Bereiche wie Verkehr und Wärme einbeziehen, hieß es. Bei EWE ist u.a. der Mobilitäts-Dienstleister „Waydo“ am Start. Auch etwa im Bereich Wasserstoff wolle man „zeigen, was möglich ist“.

Betont wurde: Um insgesamt voranzukommen, sei eine faire CO2-basierte Bepreisung der (konventionellen) Energieträger durch die Politik wichtig.

Weniger Geld für Kommunen von EWE-Verband

Klar wurde am Donnerstag: Die Landkreise und kreisfreien Städte im Nordwesten bekommen aus ihrer (indirekten) Beteiligung an der EWE in diesem Jahr weniger Geld in die Kasse als sonst üblich. Zwar wird der Versorger aus dem Gewinn (laut Handelsgesetzbuch) der EWE AG als Einzelgesellschaft wie in den Vorjahren rund 88 Millionen Euro ausschütten, wie Finanzvorstand Wolfgang Mücher am Donnerstag am Rande der Bilanzpressekonferenz erläuterte. Doch der EWE-Verband, in dem letztlich die beteiligten Kommunen gebündelt wird, plant mit einer Ausschüttung von 50 Millionen Euro – statt 60 Millionen Euro zuvor. Dies bestätigte Geschäftsstellenleiterin Dr. Anika Logemann-Prunk auf Anfrage unserer Zeitung. Die geringere Ausschüttung schlägt sich bei den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten gemäß ihrer jeweiligen Beteiligung (zum Beispiel Oldenburg: Mehr als zehn Prozent) nieder.

Hintergrund ist demnach der Aufwand für Kredite im Zusammenhang mit EWE-Anteilen. Wie berichtet, sucht die EWE gerade einen neuen strategischen Investor. Ein Teil der betreffenden Aktien (insgesamt geht es um 26 Prozent) liegt vorübergehend beim Verband. Inwieweit die Kommunen aus dem bevorstehenden Verkauf an einen neuen Partner profitieren könnten, ist bislang offen.

Unterdessen stand die EWE-Bilanzvorlage auch im Zeichen aktueller energiepolitischer Herausforderungen. Bei der Gestaltung des Verkehrs der Zukunft sollte man nicht nur auf E-Mobilität setzen, mahnte Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler. Insbesondere für schwere Verkehre und Lastwagen könnten etwa auch Wasserstoff oder Gas interessant werden. Die saubere Flotte an Erdgasbussen in Oldenburg sei ein gutes Beispiel.

Man solle die Frage künftiger Technologien „offen gestalten“, appellierte Dohler an Entscheidungsträger. Entsprechend gestalte die EWE auch ihre Strategie, sagte der Konzernchef mit Blick etwa auf eigene Innovationen.

„Die Region ist Vorreiter bei neuen Technologien“, so Dohler. Wenn Deutschland – wie geplant – aus Kernenergie und Kohle aussteige, werde man viel mehr davon brauchen, auch zur langfristigen Speicherung von Ökostrom. Ein Ansatz könne auch hier Wasserstoff sein

Der EWE-Chef forderte zu einem ausgewogeneren Verhältnis der Gesellschaft gegenüber dem Ausbau von Erneuerbaren Energien auf. Wenn man die Klimawende wolle, dann müsse man auch die dafür nötige Infrastruktur „hinnehmen“. Deren Ausbau ist, wie mehrfach berichtet, vielerorts umstritten.

Offen für mehr Wind an Land

Speziell zum zuletzt stockenden Ausbau der Windenergie an Land meinte Dohler: „Wir merken, dass der Knoten sich etwas löst.“ EWE werde sich in diesem Bereich („onshore“) weiter stark engagieren. Für noch weitere große Windparks auf See („offshore“) seien die Risiken zu groß und die „Taschen zu klein“, sagte er auf Nachfrage.

Das Geschäftsjahr 2018 endete für die EWE „innerhalb der Prognoseerwartungen“ – aber nach außen hin mit deutlichen Minuszeichen.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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