OLDENBURG - Plötzlich ist da ein Widerstand. Die Baggerschaufel will nicht richtig greifen. Doch Fahrer Alfred Kruse lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er arbeitet weiter und hebt mit seinem Bagger die Baugrube aus. „Ich dachte, es seien Fundamente von den früheren Gebäuden auf dem Gelände“, sagt der 64-jährige Mitarbeiter der Firma Mohrmann. Was aber dann aus der Baggerschaufel kullerte, waren jedoch keineswegs Fundamentreste – sondern eine 230 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

Angst? „Nein“, sagt Alfred Kruse. „Das war nur beim ersten Mal so. Da bin ich noch gesprungen.“ Fünf ähnliche Sprengkörper hat der erfahrene Mann bereits bei seiner Arbeit auf verschiedenen Baustellen entdeckt. Der Fund auf der LzO-Baustelle an der Straßburger Straße/Ecke Maastrichter Straße war seine sechste Bombe.

Was für den Baggerfahrer aus Wardenburg am Freitag vorzeitigen Feierabend zur Folge hatte, bedeutete für die Polizei viel Aufregung. Sofort wurde der Bereich gesperrt und über mögliche Evakuierungen nachgedacht.

Die Sprengstoffexperten von der Kampfmittelbeseitigung, die bereits 45 Minuten nach dem Fund auf der Baustelle eintrafen, sahen keine akute Explosionsgefahr gegeben. Einer der Zünder war allerdings abgebrochen, er konnte nicht aus dem Bombengehäuse entfernt werden, der andere war stark verrostet. Eine Entschärfung bewertet Sprengstoff-Experte Gerd Schellberg daher als zu riskant.

Stattdessen sollte das gefährliche Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg an Ort und Stelle kontrolliert gesprengt werden. Die großen Massen an weichem Sand wären sehr gut für die erforderlichen Schutzmaßnahmen geeignet, erklärte der Experte. „Das ist viel sicherer, als wenn wir die Bombe durch die ganze Stadt transportieren“, so Schellberg.


Der Blindgänger wurde bereits in einem drei Meter tiefen Loch versenkt, wofür sogar noch einmal Finder Kruse mit seinem Bagger ran musste. Anschließend wurde der Sprengkörper mit Sand bedeckt.

Am Sonntag gegen 16 Uhr planen Schellberg und seine Kollegen nun die Sprengung mit einer Hohlladung. Sie erwarten, dass durch die Wucht der Detonation ein Krater von etwa zehn Metern Durchmesser in den weichen Sand gerissen wird. Auch Alfred Kurse wird dabei sein. „Falls ein Baggerfahrer benötigt wird“, sagt der 64-Jährige.