OLDENBURG/BORKUM - Die Planungen haben knapp zehn Jahre gedauert. Doch nachdem vor wenigen Tagen die endgültige Genehmigung erteilt wurde, kann er im August endlich beginnen: Der Bau des ersten deutschen Offshore-Windparks „Alpha Ventus“ 45 Kilometer nördlich von Borkum.
Schon ab Oktober soll der erste Strom durch die Leitungen fließen. Bei guter Brise sollen die geplanten zwölf Windanlagen mit einer Leistung von je fünf Megawatt Strom für 50 000 bis 60 000 Haushalte liefern können, rechnen die drei Betreiber, die Energiekonzerne EWE (Oldenburg), Eon und Vattenfall, vor. „Einen Windpark unter diesen Hochseebedingungen gibt es bislang weltweit nicht“, sagt „Alpha-Ventus“-Sprecher Lutz Wiese.
Eine Herausforderung ist dabei nicht nur die exponierte Lage, sondern auch die Dimensionen des Projekts. In rund 30 Meter Wassertiefe müssen die Stahlstreben 20 bis 30 Meter tief in den Meeresboden gerammt werden. Rund 1000 Tonnen wiegt eine einzige Windanlage. Die Blattspitze der Rotoren ragt 143 Meter in die Luft – fast so hoch wie der Kölner Dom.
Der große Aufwand bringt allerdings auch hohe Kosten mit sich. 180 Millionen Euro haben die drei Betreiber veranschlagt – rund dreimal so viel wie für vergleichbare Anlagen an Land. Der Bund schießt 50 Millionen für die Forschung zu. Den Netzanschluss für 40 Millionen Euro übernimmt Eon selbst.
Ansonsten stammt das Gros der Technik aus dem Nordwesten. Je sechs der zwölf Windanlagen liefern die Firmen Multibrid (Bremerhaven) und Repower (Hamburg). Die speziellen Seekabel fertigen und verlegen die Norddeutschen Seekabelwerke (Nordenham). In Wilhelmshaven bei der Firma Weserwind (Bremerhaven) werden gerade die letzten Arbeiten am Umspannwerk, das direkt neben dem Windpark den Strom der zwölf Windräder zusammenführt, erledigt.
Am Freitag teilte die AG Reederei Norden-Frisia (Norderney) mit, dass sie ab 1. August mit einem Verkehrssicherungsschiff das Baufeld absichert, einen Shuttledienst zwischen Norddeich und dem Baufeld einrichtet sowie ein Baubüro im Hafen von Norddeich stellt.
Auch das Personal muss eigens für den Einsatz auf hoher See geschult werden. In Cuxhaven durchlaufen Mitarbeiter von EWE, Eon und Vattenfall gerade ein spezielles Trainingsprogramm.
Trotz des enormen Aufwands ist die Pilotanlage „Alpha Ventus“ fast noch ein Winzling unter den geplanten Projekten. Der erste kommerzielle Windpark, mit dessen Installation die Emder Firma Bard Engineering im Frühjahr 2009 knapp 100 Kilometer vor Borkum beginnen will, umfasst schon 80 Windräder.
Bislang haben die deutschen Behörden 24 Projekte genehmigt. Würden sie auch tatsächlich alle gebaut, dann würden sich nach Berechnungen des Magazins „Focus“ 4900 Windräder in Nord- und Ostsee drehen, die zusammen 24 000 Megawatt Strom liefern sollen. Rechnerisch ließen sich damit alle 17 Atomkraftwerke Deutschlands ersetzen.
