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Nachfolger für Dieseltriebwagen in Weser-Ems Batteriezüge – Rückkehr in den Nordwesten?

Oldenburg/Bremen/Nordenham - Das haben sich schon viele Eisenbahnfreunde mal aus der Nähe angeschaut: In Herrenberg bei Stuttgart starten Regionalbahnlinien – seit Jahrzehnten mit Dieselantrieb. Doch seit einigen Wochen ist alles anders. Das typische Brummen des Diesels ist manchmal nicht mehr zu hören. Dann ist einer der neuen Batteriezüge am Start, die nun erprobt werden.

Für den Hersteller Alstom ist es der erste mit Akku-Antrieb voll zugelassene Triebwagen; für die Bundesländer Baden-Württemberg, das benachbarte Bayern und die bundeseigene Bahn AG ist es eine Fahrt in die Zukunft des Nahverkehrs auf Schienen. Akkuzüge könnten auf jenen Nahverkehrsstrecken zum Einsatz kommen, die bisher noch mit Dieselloks befahren werden und bei denen der Aufwand für eine volle Elektrifizierung (zu) hoch wäre.

Allerdings: So neu ist die Idee mit den Batteriezügen nicht: „Es hat sie bereits seit dem Kaiserreich in Deutschland gegeben“, weiß Hans Begerow, Vorsitzender des Heimatvereins Varel. Und im Nordwesten seien sie in den Nachkriegsjahrzehnten zum Beispiel zwischen Bremen und Nordenham gefahren siehe Infobox).

Letzte Akkuzüge bis 1995 im Einsatz

Bremen

Die neuen Batteriezüge von Alstom, Siemens oder Stadler – ist das auch die Lösung für die noch nicht elektrifizierten Strecken in Niedersachsen und im Nordwesten, wie Oldenburg-Osnabrück oder Leer-Groningen?

Die Ära nach Diesel

Bei der zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) in Hannover will man sich noch nicht festlegen. „Sicher ist, dass eine Ersatzbeschaffung für die eingesetzten Dieseltriebzüge, die der LNVG gehören, keine Dieselfahrzeuge mehr sein werden“, sagt Pressesprecher Dirk Altwig. „Wir kaufen keine Dieselfahrzeuge mehr, um noch mehr für den Klimaschutz zu tun. Das gilt für uns landesweit.“

Alternativen zum Diesel sind etwa Fahrzeuge mit Akkus (mit Auflade-Varianten) oder Fahrzeuge mit Brennstoffzellen auf Wasserstoff-Basis. Letztere wurden im Gebiet zwischen Weser und Elbe bereits getestet. „Ab dem Sommer wird die LNVG zwischen Bremerhaven, Cuxhaven und Buxtehude 14 dieser Züge einsetzen“, kündigte Altwig nun an. Dies sei „die erste Wasserstoffzugflotte der Welt“.


Die Nebenstrecken

Für manche Strecken im Nordwesten (wie Oldenburg-Osnabrück oder Delmenhorst-Osnabrück) sind für die Zukunft Taktverdichtungen angedacht. Eine Frage ist, inwiefern die dafür nötigen schnelleren Fahrten mit alternativer Antriebstechnik – also ohne Vollelektrifizierung – erreichbar sind, erläuterte Altwig. „Neben der Fahrdynamik loten wir dabei im Rahmen einer Marktsondierung auch noch wirtschaftliche und technische Fragestellungen aus.“

Malte Diehl, Vorsitzender für Niedersachsen/Bremen beim Fahrgastverband Pro Bahn, ist zurückhaltend. Er sieht im Batteriezug eher eine „Übergangstechnologie“. Man zementiere damit die Verhältnisse an der Strecke. Eine Elektrifizierung werde dann schwieriger durchzusetzen sein. Besser seien Überlegungen, Dieselstrecken zu elektrifizieren und besser zu nutzen.

Für Oldenburg-Osnabrück schwebt Diehl da vor: Züge von Wilhelmshaven über Osnabrück hinaus bis Nordrhein-Westfalen durchfahren zu lassen, elektrisch. Man müsse sich die Strecken in dieser Hinsicht „einzeln angucken“.

Wenn die übliche Elektrifizierung aussichtslos sei, könne unter Umständen auch ein einfacher Fahrdraht (mit weniger Kostenaufwand) eine gute Lösung sein, die dann immerhin Züge bis Tempo 100 ermögliche. Das könne vielleicht für die kurze Strecke von Sande nach Esens der Fall sein.

Erst auf dem zweiten Rang kommt für Diehl der Batteriezug, und dann erst der Wasserstoffzug, der zurzeit auch in Niedersachsen erprobt wird. Diehl: „Der Wirkungsgrad ist extrem niedrig.“

Schleswig-Holstein prescht vor

In Schleswig-Holstein traf man jetzt nach Erprobungen eine Entscheidung. Im Dezember 2023 soll der Betrieb mit Batterie-Zügen starten: Im „Akkunetz Nord“ mit Strecken wie Flensburg-Kiel oder St. Peter Ording-Husum sollen die Akkus auf größeren Bahnhöfen geladen werden können – natürlich nur mit Ökostrom.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
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