OLDENBURG/BREMEN - Der Deutsche Tierschutzbund hat ein Verbot des Kastrierens von Schweinen ohne Betäubung gefordert. „In Deutschland werden jährlich 22 Millionen Ferkel betäubungslos kastriert“, sagte Verbandspräsident Dr. Wolfgang Apel (Bremen), „diesem qualvollen Leid muss durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes ein Ende gemacht werden.“ Daher startet der Tierschutzbund an diesem Dienstag eine Protestaktion zur Änderung des Gesetzes. Die Landwirte des Öko-Anbieters Neuland stellen Apel zufolge ab sofort auf eine Kastration mit Betäubung um.

Die konventionelle Ferkelkastration, die bei vollem Bewusstsein der Tiere durchgeführt wird, ist eine sehr schmerzhafte Prozedur. Sie ist derzeit in Deutschland in der ersten Lebenswoche der Tiere erlaubt. Grundsätzlich soll der blutige Eingriff verhindern, dass die Tiere das Hormon Androstenon produzieren, welches dem Fleisch später den an Urin erinnernden „Ebergeruch“ verleiht.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hält den Einsatz von Betäubungsmitteln bei der Kastration auch unter Kostengesichtspunkten für problematisch. Damit werde der nachoperative Schmerz nicht verhindert, sagte Dr. Michael Alt, Fachtierarzt im Schweinegesundheitsdienst der Kammer in Oldenburg. Eine Alternative sei womöglich die Immunokastration der Ferkel, bei der durch eine zweimalige Impfung die Hoden zurückgebildet werden – das verringert die Produktion von Hormonen. Die Kammer sei zu Erprobungen dieses Impfstoffs bereit, der wahrscheinlich noch in diesem Jahr verfügbar sei.

Der Tierschutzbund will den Druck hochhalten: „Niemand käme auf die Idee, einen Hund oder eine Katze betäubungslos zu kastrieren“, sagt Tierschützer Apel.

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