OLDENBURG/BREMEN - Der frühere Oldenburger Oberbürgermeister ist besorgt: Das neue regionalpolitische Konzept könnte zu Lasten der Kommunen in der Fläche gehen.
Von Hans Drunkenmölle
OLDENBURG/BREMEN - Der ehemalige Oldenburger Oberbürgermeister Dr. Jürgen Poeschel (CDU) hat eine „zügige und zugleich gefahrenbewusste Gangart“ bei der Verwirklichung der „Europäischen Metropolregion Bremen/Oldenburg“ empfohlen, die Motor der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung in der Nordwest-Region sein und dafür Fördermittel der EU einwerben soll. Das neue regionalpolitische Konzept dürfe nicht einseitig auf die Verdichtungsräume konzentriert sein, sondern müsse die Potenziale der „beachtlichen Teilkräfte der Region Weser-Ems“ ausbauen und enger und besser verzahnen, rät der heute als Politikberater tätige Staatswissenschaftler: „Sie aufzulösen wäre der falsche Weg.“Er verweist darauf, dass auch andere Regionen in Niedersachsen – zum Beispiel Hannover, Braunschweig und Göttingen – ihre historischen Strukturen nicht etwa aufgelöst, sondern erhalten und schließlich unter dem Dach der Metropolregion gleichberechtigt zusammengeführt haben: „Für den Nordwesten mit seiner viel größeren Ausdehnung in der Fläche muss das Gebot eines weiteren Ausbaus von unten aus den Teilregionen erst recht gelten.“ Andernfalls droht nach Poeschels Überzeugung die Gefahr, „dass Selbstwert- und Selbstbewusstsein der Fläche, eigene Stärke und eigene Leistung nicht mehr zum Ausdruck kommen“.
Der Nordwesten dürfe sich „nicht von der erhofften Werbewirksamkeit der Metropolregion verführen lassen“ und annehmen, „hier gäbe es eine Metropole und eine Verdichtung um sie herum, und das wäre wie in anderen Metropolregionen der Welt von nun an auch die Grundstruktur in Weser-Ems“. Poeschel: „So etwas haben wir hier nicht und werden es wohl auch nie hier bekommen.“ Auch bei Übernahme des Metropol-Etiketts blieben die Menschen „immer noch Bremer, Oldenburger, Ostfriesen, Emsländer und nicht zuletzt Osnabrücker mit der Sonderproblematik ihrer Verflechtung mit Nordrhein-Westfalen“.
Alle diese Regionen könnten glänzen mit erheblichen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritten in ihren jeweiligen Strukturen wie Landschaften, Kammern, Universitäten, Hochschulen und Strukturkonferenzen. „Die Erfolge dieser Teilräume können bei der Schaffung so genannter Leuchttürme und erst recht in der Summe mit den Leistungen der Metropolen hiesiger Dimensionen mindestens mithalten“, sagt der ehemalige Oldenburger Oberbürgermeister.
Institutionen wie die Regionale Innovationsstrategie Weser-Ems, Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen und Regionale Arbeitsgemeinschaft Bremen/Niedersachsen könnten „als Klammer“ helfen, diese Erfolge abzusichern und auszubauen – dabei unterstützt von der Regierungsvertretung in Oldenburg, die sich „mit großer Kompetenz und Konsequenz“ gerade der Aufgabe der Regionalförderung und Regionalentwicklung widme. „Diese Kräfte machen unsere beneidenswert erfolgreiche Stärke im Wettbewerb der Regionen aus“, so Poeschel.
