Oldenburg - Der anstehende EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) war am Dienstag natürlich auch Thema beim Jahrespressegespräch der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Allerdings war dabei von Dramatik oder übermäßigen Sorgen nichts zu spüren – es herrscht eher eine gewisse Gelassenheit. „Die Folgen des Brexits sind schwer abzuschätzen“, meinte der für Wirtschaftspolitik zuständige IHK-Geschäftsführer Björn Schaeper. Es fehlten Daten dazu, wie stark die Verflechtungen zwischen dem Nordwesten und Großbritannien letztlich seien.
„Wir gehen aber davon aus, dass die Brexit-Auswirkungen hier weniger heftig sein werden als im deutschen Durchschnitt“, meinte Schaeper. Die regionale Wirtschaft mit einem Schwerpunkt auf Nahrung sei eher auf den deutschen Markt ausgerichtet. Der Exportanteil der regionalen Industrie sei mit 27 Prozent letztlich relativ niedrig. Landes- und bundesweit gehe es dagegen um Auslandsanteile von etwa 50 Prozent.
Diese Struktur bedeute unterdurchschnittliches Engagement auf bestimmten Märkten. „Doch wenn es externe Schocks gibt, sind wir hier umgekehrt auch weniger betroffen“, meinte Schaeper wohl mit Blick etwa auf Probleme im Welthandel.
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung war dagegen kürzlich zu den Ergebnis gekommen, dass die Weser-Ems-Region etwa wegen der geografischen Nähe und eines vergleichsweise hohen Anteils mittelständischer Unternehmen überproportional vom Brexit betroffen wäre.
„Der Brexit bleibt ein Risikofaktor. Es gibt aber auch andere, die in der Summe bedeutsamer sind“, meinte der IHK-Geschäftsführer. Er nannte Rezessionsgefahren in den USA, die Verschärfung von Handelskriegen oder auch die Europawahl mit der Gefahr, dass protektionistische Kräfte gestärkt werden.
