Oldenburg - „Wenn nebenan so etwas los ist, wollen wir es mitbekommen.“ Bernd Sonnewald und seine Nachbarn ließen sich das Wochenende nicht durch Lärm und Staub vermiesen. Fröhlich warf der 56-Jährige am Samstag den Grill an und feierte mit ein Dutzend Nachbarn das „Brückenfest A 293“ – wenige Meter von der Baustelle entfernt.
Wer der Tag- und Nacht-Baustelle weniger abgewinnen konnte, durfte verreisen – auf Kosten der Steuerzahler. Direkte Anwohner erhielten einen Gutschein für zwei Hotelübernachtungen. „Einige Anlieger nehmen das gern in Anspruch“, berichtet Bettina Harms von der Landesstraßenbaubehörde.
Unter anderem mit vier Baggern war das Abbruchunternehmen Büchert (Rostock) am Werk. „Die größte Abbruchschere, die zum Einsatz kam, wiegt sieben Tonnen“, berichtete Geschäftsführer Martin Büchert. Mit Planen Richtung Innenstadt hatte die Firma die Alexanderstraße vor großen Staubwolken geschützt. Der Wind kam in diesem Jahr allerdings von der anderen Seite.
„Alles gut!“ Eine Blitzumfrage der Werbegemeinschaft Alexanderstraße von Mitglied Marlies Mittwollen gab Entwarnung bezüglich der Belastung für den Handel. Lediglich Uhren Spiekermann (an der Autobahn) hatte nach den Erfahrungen des Vorjahres geschlossen. Damals habe er am Samstag keine Kundschaft gehabt.
Auswirkungen der Straßensperrungen waren am Samstag vor allem auf der Nadorster Straße und anderen Einfallstraßen im nördlichen Stadtgebiet zu beobachten. Zu echten Staus kam es aber nicht. „Keinerlei Zwischenfälle“, berichtete eine Sprecherin der Autobahnpolizei am Sonntag gegen 16 Uhr. Rundum zufrieden war auch die Polizeiinspektion Oldenburg.
Ein Lob für die Autofahrer hatte Alfred Giesmann zur Hand. „Die Akzeptanz war sehr groß“, betonte der Leiter der Autobahnmeisterei Oldenburg. Die Verkehrsteilnehmer hätten sich sehr gut auf die Umleitungen eingestellt, „offensichtlich auch wegen der ausführlichen Berichterstattung der Nordwest-Zeitung vor dem Wochenende“.
An alles gedacht hatte die Berufsfeuerwehr. Von der Zentrale an der Ibo-Koch-Straße konnten Einsatzfahrzeuge über den Standstreifen der Alexanderstraße bis vor zur Auffahrt der A 293 Richtung Westkreuz fahren. Oben war ein Stück der Mittelplanke abmontiert worden. Die Feuerwehr hatte freie Fahrt in beide Richtungen.
Die abgerissene Brückenhälfte war 69 Meter lang und 11,50 Meter breit – etwa 14 000 Kubikmeter Stahl und Zement mussten am Sonntag abtransportiert werden. Der Stahl wandert in Hochöfen und wird für neue Produkte eingeschmolzen. Den Beton arbeitet eine Brechanlage für Straßenbau-Untergrund auf.
48 Jahre sind eigentlich kein Alter für eine Stahlbetonbrücke. Wenn sie aber aus den 60er- oder frühen 70er-Jahren stammt, schon. Denn in dieser Zeit sei nicht selten Stahlbeton verbaut worden, der sich als leichter anfällig für Korrosion erwies, erläutert Ingenieur Marco Witt (Firma Bröggelhoff). Die Alexanderstraßen-Brücke war den Belastungen nicht mehr gewachsen, hatten Berechnungen gezeigt. Am Abriss führte deshalb kein Weg vorbei.
Wie geht’s weiter? Laut Zeitplan ist die Autobahnbrücke bis Ende des Jahres wieder in beide Richtungen befahrbar. Bis März 2019 werden noch die Auf- und Abfahrten erneuert. Der Blick der Landesstraßenbaubehörde geht indes schon auf das nächste Großprojekt: Abriss und Neubau der Autobahnbrücke über die Hunte. Von der Höhe her warten hier ganz andere Herausforderungen auf Ingenieure und Bauarbeiter.
